Politik : "Balkan-Syndrom": Forscher: Leukämie durch Munition unwahrscheinlich

Thomas de Padova

In Italien sind mehrere Soldaten nach ihrem Einsatz im Balkan an Leukämie erkrankt. Derzeit wird darüber spekuliert, ob sie während des Krieges einer starken radioaktiven Strahlenbelastung ausgesetzt waren, weil das US-Militär mit uranhaltiger Munition auf gepanzerte Fahrzeuge der serbischen Streitkräfte schoss.

Beim Aufprall eines solchen Geschosses zerstäubt das Uran und verteilt sich in einem Umkreis von bis zu hundert Metern.Menschen könnten diese Stäube einatmen, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Deshalb habe man vorsorglich schon 1999 eine Untersuchung in Auftrag gegeben, bei der festgestellt werden sollte, ob deutsche Soldaten möglicherweise Erkrankungen durch Kontakte mit der uranbelasteten Munition erlitten haben. Nach Angaben des damit betrauten GSF-Forschungsinstituts für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg gibt es bislang keine Hinweise darauf.

Heinz-Jörg Haury hält ein verstärktes Auftreten von Leukämieerkrankungen bei Soldaten der Nato-Streitkräfte durch die Uranmunition ohnehin für "sehr unwahrscheinlich". Die Strahlenbelastung sei vergleichsweise gering einzuschätzen, und selbst bei höherer Bestrahlung sollte es fünf bis zehn Jahre dauern, ehe eine Erkrankung wie Leukämie ausbrechen würde.

Der GSF-Sprecher verweist auf die langjährigen Erfahrungen seines Instituts mit der Untersuchung der Folgen des Uranbergbaus in der ehemaligen DDR. Hunderte Bergleute sind dort wegen der sehr starken Uran- und Radonbelastungen an Lungenkrebs erkrankt. "Doch eine erhöhte Erkrankungsrate an Leukämie haben wir im Uranbergbau bislang nicht beobachtet", sagt Haury. Und das, obwohl die Bergleute der Strahlung über sehr lange Zeiträume hinweg ausgesetzt waren.

Ist das "Balkan-Syndrom" also nur ein Phantom? Ein EU-Ausschuss soll nun voraussichtlich prüfen, ob die fragliche Munition tatsächlich Ursache für die rätselhaften Leukämie-Fälle sein kann.

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