Politik : Balkan-Unterhändler belastet Milosevic schwer

Klaus Bachmann

Zum ersten Mal ist der Anklage im Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass dieser über Verstöße gegen die Genfer Konvention informiert war. Danach hat er sie als "Kampf gegen den albanischen Terrorismus" gerechtfertigt. Dies bezeugte am Donnerstag und Freitag vor dem Internationalen Gerichtshof für das frühere Jugoslawien der ehemalige Balkan-Unterhändler Paddy Ashdown. Der Brite hatte Ende der neunziger Jahre bei zahlreichen Reisen nach Jugoslawien als Unterhändler der britischen Regierung sowohl Gelegenheit, mit Opfern serbischer Übergriffe, als auch mit Milosevic zu sprechen. Als Emissär der britischen Regierung beobachtete Ashdown die systematische Plünderung und Zerstörung albanischer Dörfer im Kosovo und die Vertreibung der Zivilbevölkerung lange vor den Nato-Luftangriffen zu beobachten.

Im September 1998 überbrachte er Milosevic einen Brief von Premierminister Tony Blair, in dem dieser Milosevic warnte vor "dem Einsatz exzessiver und undifferenzierter Gewalt". Ashdown selbst hat nach eigener Aussage Milosevic damals sehr unmissverständlich darauf hingewiesen, die durch militärische Erfordernisse nicht gerechtfertigten Übergriffe gegen unbewaffnete Zivilisten stellten Verstöße gegen die Genfer Konvention dar. "Ich erklärte ihm, er sei persönlich dafür verantwortlich und bat ihn, damit aufzuhören." Milosevic habe die Angriffe auf albanische Dörfer erst bestritten, danach aber als "Kampf gegen den Terrorismus" gerechtfertigt. Als Milosevic ihn im Kreuzverhör auf die Nato-Luftangriffe im März auf Serbien ansprach, erwiderte Ashdown: "Die Ereignisse, die ich hier beschrieben habe, fanden sechs Monate vor den Luftangriffen statt. Das hat miteinander nichts zu tun. Ich habe Sie damals gewarnt, wenn Sie die Übergriffe nicht stoppten, würden Sie vor diesem Gericht landen. Und hier sind Sie."

Die Hartnäckigkeit, mit der Ashdown seinen Standpunkt vertrat, machte auf Milosevic derart Eindruck, dass er sein Kreuzverhör wesentlich unsystematischer führte als bisher. Ashdown räumte ein, dass die UCK eine terroristiche Organisation gewesen sei, gegen die vorzugehen Belgrad das Recht gehabt habe.

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