Politik : Balkankrise: Bundeswehrsoldaten von Tetovo nach Kosovo verlegt

Auf die neue Offensive der mazedonischen Armee in der Umgebung von Tetovo haben die albanischen Rebellen am Freitag mit Gegenangriffen reagiert. Dabei kam es erneut zu einem Gefecht in der Umgebung der Kaserne, aus der vor sechs Tagen die meisten deutschen Soldaten abgezogen worden waren. Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin, Detlef Puhl, mitteilte, ging der Schusswechsel von den mazedonischen Soldaten aus.

Einige Querschläger hätten auch die Unterkünfte der 200 dort noch stationierten Deutschen getroffen, sagte Puhl. Es sei jedoch niemand zu Schaden gekommen. Verteidigungsminister Rudolf Scharping habe die Entsendung von rund 130 schwer bewaffneten Panzerartilleristen aus Dülmen angeordnet. Sie sollen überwiegend die im Großraum Prizren (Kosovo) eingesetzten Sicherungskräfte unterstützen, so dass die Patrouillen an der Grenze zu Mazedonien intensiviert werden können. Deutschland komme mit der Verstärkung einer Nato-Bitte nach, hieß es. Fallschirmjäger aus einem saarländischen Standort hielten sich bereit, um bei Bedarf ebenfalls in die Krisenregion zu fliegen. Dies geschehe möglicherweise "in den kommenden Tagen". Die Bundeswehr verlegte inzwischen ihre Logistik-Einheiten zur Unterstützung der Kfor-Friedenstruppe in Kosovo aus Mazedonien nach Kosovo.

Nahe des Dorfes Tanusevci an der Kosovo-Grenze waren am Morgen Explosionen zu hören. Unbestätigten Berichten zufolge versuchte die mazedonische Armee, Grenzdörfer zu räumen, deren Einwohner sie der Zusammenarbeit mit den Rebellen verdächtigten. Die Blockaden der Freischärler blieben weiter bestehen, Stützpunkte nahe Tetovo waren noch besetzt. Am Donnerstag hatte ein Militärsprecher von einem kampflosen Rückzug der Rebellen gesprochen.

Mindestens 50 Flüchtlinge überquerten am Freitag die Grenze zwischen Mazedonien und dem Kosovo. Einige seien verwundet gewesen, berichtete ein Kfor-Sprecher. Seit Beginn der Kämpfe sind nach UN-Angaben bereits 22 000 Menschen geflohen.

Zur Überwachung der umkämpften Grenzregion stellen Frankreich und die USA der Kfor unterdessen unbemannte Aufklärungsflugzeuge (Dronen) zur Verfügung.

Nach Ansicht von Bundesaußenminister Joschka Fischer garantiert die Anwesenheit der internationalen Streitkräfte, dass der Konflikt um Tetovo sich nicht ausweitet. Jeder Form gewaltsamer Grenzänderung erteilte er eine klare Absage. Die "Rhein-Neckar-Zeitung" zitierte ihn: "Die territoriale Integrität, die Multi-Ethnizität Mazedoniens sind von entscheidender Bedeutung."

Der bulgarische Ministerpräsident Kostow äußerte Befürchtungen, dass der Konflikt auf sein Land übergreifen könne. Er schlug eine internationale Initiative zur Unterstützung der Regierung in Skopje vor.

Russland warf der Nato vor, für die gegenwärtige Gewalt in Mazedonien mitverantwortlich zu sein. Die Angriffe albanischer Rebellen seien eine Folge des Nato-Luftkrieges gegen Jugoslawien von 1999 und der verfehlten Kosovo-Politik des Westens, erklärte das russische Außenministerium am Freitag in Moskau. Unter dem Schutz der Nato sei der Kosovo eine Zuflucht für albanische Extremisten geworden, von denen die Gewalt in der Balkan-Region ausginge. Die internationale Gemeinschaft müsse rasch und entschlossen gegen die Rebellen vorgehen.

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