Politik : Balten wollen neues Atomkraftwerk

Claudia von Salzen

Berlin - Die baltischen Staaten planen den Bau eines Atomkraftwerks, um künftig von Energieimporten unabhängiger zu werden. „Ein neues Kernkraftwerk kann für uns eine Notwendigkeit werden“, sagte Lettlands Außenminister Artis Pabriks dem Tagesspiegel. Wegen gravierender Sicherheitsbedenken wird der bestehende Reaktor im litauischen Ignalina bis 2009 vom Netz gehen. „Durch die Schließung wachsen auch in Lettland die Energieprobleme“, sagte der Außenminister. Dafür müsse in den nächsten zehn Jahren eine Lösung gefunden werden. Der neue Reaktor könne in Litauen am Standort Ignalina entstehen, aus Lettland und Estland würden zusätzliche Investitionen kommen. Der litauische Präsident Valdas Adamkus hat sich bereits für das Vorhaben stark gemacht.

Angesichts der Debatte um Europas Energieversorgung, die durch den Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine ausgelöst worden war, erhoffen sich die Balten nun mehr Verständnis für ihr Projekt. Dies war auch Thema beim Treffen der drei baltischen Außenminister mit ihrem Kollegen Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Berlin.

Die Regierung in Riga spricht sich für eine gemeinsame europäische Energiepolitik aus. Pabriks betonte, dass sein Land nicht grundsätzlich gegen die Ostsee- Pipeline sei, die Gas von Russland nach Deutschland bringen soll. „Es wäre aber klug, andere Länder in das Projekt einzubeziehen“, sagte er. So könne Lettland natürliche Lagerkapazitäten für Gas zur Verfügung stellen. „Wenn dann bei der Erdgasversorgung ein – sagen wir mal – Unfall passiert, hat Deutschland davon keine Nachteile.“ Der Außenminister warnte davor, sich beim Thema Energie nur auf einen Partner zu verlassen: „Wir brauchen nicht einfach nur mehr Pipelines. Es ist wichtig, woher die Pipelines kommen.“ Für Russland werde Energie immer stärker Teil der Politik. „Energie ist eine Ressource, die Russland seine Macht wiedergeben soll.“ Pabriks lobte zugleich den Moskau-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel sowie die Rolle Deutschlands bei den Verhandlungen über den EU-Haushalt.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben