Politik : Baltic Development Forum: Die Ostseeländer feiern sich selbst

Heik Afheldt

"Zum ersten Mal in der Geschichte kann man trockenen Fusses um die Ostsee gehen", stellte Uffe Ellemann-Jensen, der frühere dänische Aussenminister in seiner Begrüßung der mehr als 300 Teilnehmer am 2. Baltic Development Forum im Rathaus in Malmö erfreut fest. Der Brückenschlag über den Sund macht es möglich. Das schwedische Malmö ist jetzt zu einem "Vorort" der Region Gross-Kopenhagen geworden. Vom dortigen Flughafen bringt der Zug die Menschen in 20 Minuten in das Malmöer Zentrum. Eines von vielen Zeichen für den eindrucksvollen Wandel, der sich seit wenigen Jahren rund um die Ostsee vollzieht.

Auf den Spuren der Hanse sucht die Region hoch im Norden ein eigenes Profil: eine hohe Innovationsrate, breite IT-Versorgung, umweltfreundliche Technologien, ethische Standards für die Unternehmen und eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit der Regierungen über die Grenzen hinweg mit dem Ziel, ein nachhaltiges, kräftiges Wachstum des Wohlstands für alle zu erreichen. Michael E. Porter gab dafür aus Harvard per Videokonferenz ein neues Rezept regionaler Entwicklungsstrategie, das vor allem darauf zielt, die Produktivität der Unternehmen in der Region zu erhöhen.

Die zehn Länder rund um die Ostsee zählen zusammen mehr als 100 Millionen Menschen (wenn man in Deutschland und Russland nur die Ostseeregion dazu rechnet). Sechs Städte haben mehr als eine Million Einwohner. Das Bruttosozialprodukt erreicht mit 3500 Milliarden Dollar 80 Prozent der gesamten japanischen Wirtschaftsleistung. Zwischen den einzelnen Ländern bestehen noch enorme Entwicklungsunterschiede. Die skandinavischen Länder zählen zu den wohlhabendsten und innovativsten der Welt. Die russischen Ostseegebiete, Kaliningrad und die Region St. Petersburg/Leningrad warten seit langem auf den großen Aufschwung. Polen hat auf dem Weg zu einer modernen Volkswirtschaft und in die EU große Erfolge zu vermelden. Besonders erfolgreich sei, laut Minister Slawomir Urbaniak, die Reform der Rentenversicherung in seinem Land.

Das Fazit des Ostseegipfels, der eine überraschend geringe deutsche Beteiligung hatte, sprach die dänische Wirtschaftsministerin Pia Gjellerup aus: "Die Ostseeregion hat eine sehr gute Chance, eine der wachstumsstärksten und attraktivsten Wirtschaftsräume der Welt zu werden." Der voraussichtliche negative Ausgang der dänischen Abstimmung über den Beitritt zur Eurozone am Sonntag war für alle eine Erinnerung daran, wie politische Ereignisse die hochgesteckten Zielsetzungen zumindest vorübergehend stören können.

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