Politik : Bangen um Deutschen in Somalia

Welthungerhilfe hofft auf baldige Freilassung

Berlin - Ein deutscher Mitarbeiter der Welthungerhilfe ist am Dienstag in Somaliland entführt worden. Nach Angaben der Welthungerhilfe war er mit einer deutschen Kollegin, einem einheimischen Kollegen und einem Fahrer in einem Auto unterwegs an die Küste, um sich dort mit einheimischen Fischern zu treffen. Er sei 64 Kilometer nördlich von Erigavo angehalten worden. Eine bewaffnete Gruppe Männer habe den Projektleiter gezwungen, auszusteigen. Bei einem Schusswechsel sei der Fahrer leicht verletzt und das Auto beschädigt worden. Bis auf den Projektleiter konnten jedoch alle entkommen. Der Mitte 30-jährige Entwicklungshelfer sei zu Fuß in die Berge verschleppt worden, sagte der Gouverneur der halbautonomen Region Puntland, Mohamud Said Nor, der Nachrichtenagentur AP. „Wir haben Polizei und Militär in die Region entsandt. Wir hoffen, ihn bald zu finden.“

Bis 2007 galt Somaliland als relativ sicher. 1991 floh der Diktator Siad Bare aus Somalia. Seither gibt es dort keine funktionierende Zentralregierung mehr. Direkt danach erklärte sich die nordöstliche Region Somaliland für unabhängig, wurde jedoch bis heute von keinem Staat anerkannt. Seit im Süden die sogenannten Islamischen Gerichtshöfe, die im Laufe des Jahres 2006 dort die Macht von den Warlords übernommen hatten, von der äthiopischen Armee vertrieben worden sind, hat sich jedoch auch in Somaliland die Sicherheitslage verschlechtert. Zudem gab es im vergangenen Jahr zwischen Somaliland und Puntland bewaffnete Auseinandersetzungen um den Grenzverlauf, weshalb die Welthungerhilfe ihre vier deutschen und einen internationalen Mitarbeiter zeitweise in die Hauptstadt Somalilands Hargeysa zurückziehen musste. Vor wenigen Tagen besuchte die US-Afrikabeauftragte Jendayi Frazer Somaliland. Derzeit wird im US-Kongress über ein Gesetz zur Anerkennung von Somaliland diskutiert.

Seit 2001 ist die Welthungerhilfe in Somaliland tätig. In drei laufenden Projekten investiert die Welthungerhilfe rund 3,5 Millionen Euro. Der nun entführte Projektleiter arbeitet für ein Landwirtschaftsprojekt, in dem es darum geht, den Bauern angepasste Bewässerungstechniken zu vermitteln und die landwirtschaftliche Produktivität zu erhöhen. Bevor der Mitarbeiter am Horn von Afrika eingesetzt wurde, arbeitete er in Afghanistan. deh

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