BANGKOK : Glitzer und Gosse

Sascha Zastiral

Bangkok überwältigt. Die Stadt ist ein Koloss aus Beton, Glas und Abgasen. Fast zwölf Millionen Menschen leben im Großraum Bangkok, heißt es. Luxusappartement-Hochhäuser und Shoppingmalls lösen sich in der Skyline mit Bürogebäuden ab. Der Verkehr steht auf vielen Straßen an mindestens 18 Stunden am Tag still. Zugleich ist Bangkok eine unverwechselbar hippe Stadt: Coole Weinbars wechseln sich mit teuren internationalen Restaurants ab, in denen Starköche aus aller Welt ihre Kreationen anbieten. In den angesagten Clubs der Stadt feiern sich die Jungen und Schönen. Vor den Clubs reihen sich dabei in aller Regel Lamborghinis, Porsches und Ferraris. Die Lebensgeschwindigkeit in Bangkok ist rasant.

Die Schattenseiten dieser nihilistischen, nahezu ganz auf Konsum ausgelegten Weltmetropole sind dabei enorm. In Rotlichtvierteln wie Nana, Patpong oder der „Soy Cowboy“ drängen sich schon ab dem frühen Abend verschwitzte und häufig betrunkene Männer durch die Gassen. Ein riesiger Markt bedient Freier aus aller Welt oder die in Thailand ansässigen Sextouristen (die visatechnisch als „Rentner“ hier leben). Doch das Problem mit der Prostitution geht darüber weit hinaus: Der lokale, nur für Thais zugängliche Rotlichtmarkt ist 20 Mal größer als das bereits gigantische Geschäft mit den Sextouristen. Daran verdienen Polizisten, Politiker und die Armee. Rein rechtlich gesehen ist Prostitution in Thailand natürlich verboten.

Neben dem Glitzer und der Gosse gibt es das Bangkok der Massen, mit tausenden von Straßenrestaurants, Nachtmärkten und einer Armee von Straßenverkäufern. In den buddhistischen Tempeln der Stadt beten unzählige Gläubige. Sie hoffen darauf, mit einer guten Tat das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden. Auf den Straßen ist Thailand konservativ. Händchen halten in der Öffentlichkeit ist verpönt. Bangkok ist eine Stadt der Widersprüche.

Rein planungstechnisch betrachtet ist Bangkok ein Reinfall. Der Großteil der Abwässer wird über offene Kanäle ins Meer geleitet. Grünflächen existieren so gut wie gar nicht: In Singapur kommen auf jeden Einwohner 66 Quadratmeter Grünflächen. In Bangkok sind es drei Quadratmeter. Bürgersteige sind nicht existent, beschädigt oder mit Ständen von Händlern vollgestellt. Schlimmer noch: Große Teile der Stadt, die im Süden an das Meer grenzt, senken sich langsam ab. Denn das Grundwasser unterhalb Bangkoks verschwindet nach und nach. Auch die alljährlichen Monsunregenfälle füllen es nur zum Teil wieder auf, da große Teile der Stadt zubetoniert sind – einer der Gründe für die massiven Überschwemmungen im vergangenen Jahr. Sascha Zastiral

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