Politik : Bangladesch: Rückhalt für die Islamisten

Gabriele Venzky

Wahrscheinlich wäre es eine Wahl geworden in Bangladesch wie jede andere, mit den üblichen Straßenschlachten mit Toten (diesmal 157) und Verletzten, den üblichen Wahlfälschungen und dem üblichen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Erzrivalinnen, deren Machtkampf seit einem Jahrzehnt das politische Geschehen bestimmt. Doch dann platzte der 11. September mitten in den Wahlkampf, und plötzlich war alles anders. Denn Khaleda Zia, die Führerin der nationalistischen BNP, die sich opportunistisch mit den islamistischen Parteien verbündet hatte, witterte nun Morgenluft. Sie brachte das Thema Islam und die Rolle des islamischen Bangladesch in den neuen Koalitionen der USA auf die Straße. Bangladesch war das erste islamische Land, in dem nach dem 11. September gewählt wurde. Das Ergebnis ist bestürzend: 202 Parlamentssitze für die BNP und ihre fundamentalistischen Partner, aber mit nur 62 Sitzen eine vernichtende Niederlage für die bisherige Regierungschefin Sheikh Hasina und ihre sozialdemokratische Awami Liga.

Das ist keine gute Nachricht für Washington, das bislang in Sachen Anti-Terror mit Dakha einig war und im Fall der Fälle auf weitgehende Unterstützung rechnen durfte, wie zum Beispiel die Nutzung der Häfen. Aber das ist geradezu Besorgnis erregend für das Nachbarland Indien, das nun mit einer eher anti-indisch eingestellten Regierung konfrontiert ist. Auch in Bangladesch gab es Sympathie-Demonstrationen für die Taliban und Osama bin Laden. Nicht vergessen ist auch die von fundamentalistischen Geistlichen ausgerufene Hatz gegen die Schriftstellerin Taslima Nasrin, die nach wie vor im Ausland leben muss. Nun zeigt sich, dass sich sogar ein eher moderates Land mit säkularen Gesetzen und demokratischen Wahlen, die nach Aussagen der EU-Beobachter weitgehend frei und fair waren, unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse radikalisiert.

Khaleda Zia versicherte schnell, dass Religion keine Rolle in ihrer künftigen Regierung spielen würde. Aber da hat sie wohl die Rechnung ohne ihre fundamentalistischen Juniorpartner gemacht, vor allem der Jamaat-i-Islami und der Islami Oikya Front. Deren Ziel ist es, die jetzige Volksrepublik in eine islamische Republik zu verwandeln, in der die Scharia das oberste Gesetz ist - wie in Afghanistan. In dem bitterarmen Land mit 130 Millionen Einwohnern spielen hunderte von Koranschulen eine zunehmende Rolle als Extremistenschmieden. Wie in Pakistan, in dessen Madrassas die Taliban ausgebildet wurden, werden auch in Bangladesch diese Koranschulen von Saudi-Arabien finanziert.

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