Bangladesch : Straßenschlachten in Dhaka ähneln einem Bürgerkrieg

Die islamistischen Unruhen in Dhaka polarisieren das Land. Die einen wollen mehr Religion in der Politik, die anderen wollen den säkularen Staat - es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände.

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Nach der Gewalt. Ein Mann hält ein verbranntes Buch in Händen.
Nach der Gewalt. Ein Mann hält ein verbranntes Buch in Händen.Foto: dpa

Am Morgen danach herrscht gespenstische Ruhe. Märkte sind wie leer gefegt, ganze Straßenzüge verwüstet. Überall liegen Steine und Knüppel. Schwere Unruhen haben nun Bangladeschs Hauptstadt Dhaka erschüttert. Mehr als 200 000 Islamisten marschierten am Sonntagabend in Richtung der Millionenstadt und blockierten Zufahrtswege. Tausende von ihnen lieferten sich bis in die Morgenstunden in der Millionenstadt Straßenschlachten mit der Polizei. Laut Berichten starben mindestens 17 Menschen, Hunderte wurden verletzt. Über Stunden kam es zu bürgerkriegsähnlichen Szenen. Vor allem das Gebiet um die größte Moschee der Stadt geriet zum Schlachtfeld. „Atheisten müssen gehängt werden“, schrien die Demonstranten. Erst am Montagmorgen gelang es 10 000 Sicherheitskräften, die wichtigste Straße zu räumen.

Die Islamisten drohten der säkularen Regierung von Premierministerin Sheikh Hasina mit einem Umsturz, sollte sie ihre Forderungen nicht erfüllen. Sie verlangen unter anderem die Todesstrafe für Blasphemie, wie sie in Pakistan gilt, und eine strikte Trennung der Geschlechter. Kritiker werfen den Islamisten vor, sie wollten Bangladesch „talibanisieren“ und in einen radikalen Gottesstaat verwandeln.

Das 161 Millionen Einwohner zählende Land ist gefährlich polarisiert. Hinter den Unruhen verbirgt sich ein Kampf um Seele und Zukunft des Landes, dessen Einwohner zu 90 Prozent Muslime sind. Der Marsch der Islamisten ist eine Gegenreaktion auf Massenproteste Anfang des Jahres, die als „Shahbag“-Bewegung bekannt wurden. Angestoßen von Bloggern demonstrierten über Wochen junge Menschen im Viertel Shahbag von Dhaka gegen den wachsenden Einfluss religiöser Kräfte auf die Politik. Die Shahbag-Aktivisten sind keine „Atheisten“, wie die Islamisten behaupten, sondern Muslime, die für eine Trennung von Religion und Staat eintreten. Sie fordern, dass Bangladesch zu seinen säkularen Wurzeln zurückkehrt.

Ihre Wut richtete sich besonders gegen die islamistische Partei Jamaat-e-Islami, die als treibende Kraft hinter der Islamisierung des Landes seit den 80er Jahren gilt. Nun schlagen die Islamisten zurück. Angeführt werden die Massenproteste von der neuen Bewegung Hefajat-e-Islam. Die religiösen Hardliner verlangen, dass jeder mit dem Tod bestraft wird, der den Islam oder den Propheten Mohammed beleidigt. In Pakistan wird ein solches Gesetz systematisch missbraucht, um Minderheiten, Liberale und unliebsame Nachbarn zu terrorisieren und aus dem Weg zu räumen.

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