Politik : Bangladesch wählt später – die Lage bleibt gespannt

Christine Möllhoff

Neu Delhi/Dhaka - Es war eine Überraschung, als der Chef der Übergangsregierung in Bangladesch, Staatspräsident Iajuddin Ahmed, am späten Donnerstagabend von seinem Amt zurücktrat. Und mehr noch: Er kündigte zugleich eine Überarbeitung des umstrittenen Wählerregisters zu den ursprünglich für den 22. Januar geplanten Wahlen an. Damit erfüllte er zumindest formell Kernforderungen des Oppositionsbündnisses unter Führung der Awami-Liga. In einer Fernsehansprache räumte Iajuddin Ahmed nun auch ein, dass es nicht mehr möglich sei, die Wahl termingerecht abzuhalten. Die Awami- Liga sprach von einem „Sieg des Volkes“ – der sich allerdings als zweischneidig erweisen könnte.

Die Awami-Liga und ihre verbündeten Parteien hatten mit einem kompletten Boykott der Wahl und Widerstand gedroht, sollte der Urnengang nicht verschoben werden. Sie hatte massive Straßenproteste und Verkehrsblockaden organisiert. Auch die UN und die EU sowie wichtige Geberländer hatten gewarnt, dass sie eine Wahl ohne Teilnahme aller größeren Parteien nicht akzeptieren würden. Die Opposition wirft Iajuddin Ahmed, der die Wahl vorbereiten sollte, Parteilichkeit vor. Der Staatspräsident gilt der Nationalpartei von Bangladesch (BNP) nahestehend, die bis Ende Oktober die Regierung innehatte. Die Awami- Liga kritisierte vor allem das Wählerregister. Dieses sei manipuliert, um die BNP bei der Wahl zu bevorteilen.

Auch nach dem Rücktritt Ahmeds blieb die Lage angespannt und der weitere Fahrplan ungewiss. In der Hauptstadt Dhaka und anderen größeren Städten kontrollierten Soldaten und paramilitärische Truppen die Straßen. Bis auf weiteres wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Medien wurden zudem der Zensur unterworfen. Proteste und Demonstrationen wurden untersagt.

Beobachter fürchten, dass das Land mit seinen 147 Millionen Einwohnern nun vor Monaten der Ungewissheit und Unsicherheit steht. So wurde zunächst kein neuer Wahltermin beschlossen. Bangladesch gilt als eines der ärmsten, korruptesten und am dichtesten bevölkerten Länder der Welt.

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