Politik : Bankgesellschaft könnte Berlin nun viel Geld bescheren

Verkauf der Berliner Bank wertet Mutterkonzern auf Vorerst keine Kündigungen oder Filialschließungen

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Berlin - Mit dem erfolgreichen Verkauf der Berliner Bank ist die Privatisierung des Mutterkonzerns Bankgesellschaft Berlin einen großen Schritt vorangekommen. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) nannte den Kaufpreis von gut 680 Millionen Euro, den die Deutsche Bank aufbringt, hervorragend.

Unmittelbar nützt das Geld dem Senat nichts, es wertet aber die Bankgesellschaft auf, die bis Ende 2007 ebenfalls verkauft werden muss. Hier hofft Berlin auf mindestens vier Milliarden Euro für seinen 81-prozentigen Anteil. Der Verkauf wurde von der Europäischen Kommission angeordnet, nachdem das Land Berlin die Bankgesellschaft mit Finanzspritzen und Bürgschaften in Milliardenhöhe vor der Pleite gerettet hatte.

Die Deutsche Bank zahlt viel mehr als erwartet für die 320 000 Kunden der Berliner Bank. Experten waren von einem Kaufpreis 400 bis 500 Millionen Euro ausgegangen. „Der Preis ist sehr hoch“, sagte Wolfgang Gerke, Professor für Bankenwesen in Nürnberg, dem Tagesspiegel. Wenn man dadurch genügend Geschäft hinzugewinne, sei es aber nicht zwangsläufig eine Fehlinvestition. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte den Verkauf als „Bekenntnis zum Standort Berlin“. Der „gute Kaufpreis“ sei ein Beleg dafür, dass die Sanierungsarbeit der Bankgesellschaft erfolgreich gewesen sei.

Die – einst in Berlin gegründete – Deutsche Bank stärkt ihr vernachlässigtes Privatkundengeschäft mit dem Schritt nach Berlin. Die Berliner Bank macht fünf Prozent des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank aus und soll ihre Erträge deutlich steigern. Im Konzern gelte weiter das bisherige Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent, das die Deutsche Bank in den ersten Monaten des Jahres bereits deutlich übertroffen hatte.

Für die Mitarbeiter der Berliner Bank wurden betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 ausgeschlossen. Auch danach werde eher Personal auf- als abgebaut, sagte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der für eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Vorstandschef der Bankgesellschaft, Hans-Jörg Vetter, nach Berlin kam.

„Wir begrüßen die Ankündigung der Deutschen Bank, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen“, sagte Vetter. Die Kunden würden weiter in den gewohnten Filialen und von den vertrauten Mitarbeitern betreut. Die 60 Filialen sollen auch künftig unter dem Namen Berliner Bank firmieren und treten damit in hausinterne Konkurrenz zu den Filialen der Deutschen Bank. „Die Berliner Bank ist heute eine kerngesunde Bank“, sagte Ackermann. Sie verfüge über ein „hochattraktives Kundenportfolio“ und passe hervorragend zu seinem Haus.

Die Deutsche Bank will auch durch Zukäufe weiter wachsen. Schon bald könnte sich für sie eine weitere Gelegenheit ergeben: Die DZ Bank hat die knapp 100 Filialen ihrer Tochter Norisbank zum Verkauf gestellt, 13 davon in Berlin.

Aus dem Rennen um die Bankgesellschaft, zu der auch die Berliner Sparkasse gehört, ist die Deutsche Bank nun heraus. Die Auflagen der Europäischen Kommission sehen vor, dass Berliner Bank und Bankgesellschaft nicht an den gleichen Bieter gehen dürfen. Erwartet werden zahlreiche Gebote von Großbanken, darunter vermutlich auch von der Citibank, die nun nicht zum Zuge kam.

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