Barack Obama : Die Rückkehr des Eros

Kultur-Autor Peter von Becker zur Obama-Wahl.

Peter von Becker
Peter von Becker
Peter von Becker, Kulturautor.Foto: Thilo Rückeis

BerlinDas ist nicht nur der Zauber des Neuen und die Magie eines besseren Morgen, den eine begeisterte Welt jetzt für Barack Obama empfindet. Politische Hoffnungsträger gab es schon viele, zumal in Zeiten, da die Politik sonst so grau und lau erscheint. Oder grausam und schmutzig in vielen Teilen der Welt. „Obama makes history“, sagen die Amerikaner. Doch auch der Rest der Welt spürt, dass hier nicht bloß ein Schwarzer das Weiße Haus erobert hat. Dieser Obama hätte freie Wahlen vermutlich fast überall gewonnen, von Rio bis Tokio, ja auch in Teheran. Und ein besserer Präsident als Bush zu werden, fällt wohl nicht schwer.

Ob Obama ein zudem großer Präsident wird und „die Welt ein Stück besser“ macht, wie er sich anzustrengen verspricht, ist damit noch nicht gesagt. Aber in einer Hinsicht hat der Sieger der amerikanischen Nacht die Welt bereits verändert: Obama leuchtet über die USA hinaus, weil in ihm offenbar ein Feuer brennt, das viel mehr als den üblichen Ehrgeiz, Machtwillen oder ein moralisches Sendungsbewusstsein ausstrahlt. Obama ist smart, hat Stil und Grazie, er wirkt jungenhaft und intellektuell gereift zugleich, das macht zusammen mit seiner rhetorischen Gabe schon eine Menge aus. Eine Mischung aus John F. Kennedy und Martin Luther King, denken viele. Kennedy indes war mehr ein amerikanischer Aristokrat und King ein elementarer Kämpfer und Prediger. Was Obama so authentisch wirken lässt, ist sein besonderer politischer Geist: seine rationale Gefühlsstärke, die eine ganz andere Empathie für andere Menschen verrät als die des funktionärshaft taktischen Quoten-Opportunismus oder gar Populismus.

Wenn Obama in seiner Wahlnachtrede in Chicago sofort eine Brücke schlägt zwischen den „Palästen und den Hinterhöfen“ des Landes, dann ahnt man, warum schwarze Arme und weiße Reiche gleichermaßen ihre Hoffnungen auf ihn setzen. Und weshalb - nur zum Vergleich - die politische Klasse der Merkels oder auch Lafontaines plötzlich so wenig Klasse hat. Obama verkörpert mit seinem „Wechsel“ auch einen tieferen Eros der Politik. Einen Wechsel auf und für die Zukunft. Gedeckt mit einem Riesentalent, dem die Taten der Realität freilich folgen müssen.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar