Barmen : Symbol evangelischen Bekennermuts

Am Sonntag feiert die Evangelische Kirche Deutschland das Jubiläum der "Barmer Theologischen Erklärung" von 1934. Mit diesem Dokument weigerte sich die Kirche, sich gesellschaftlichen oder politischen Zielen unterwerfen zu lassen.

Claudia Keller

Das Treffen, das zum „Meilenstein“ in der Geschichte der evangelischen Kirche wurde, war eine recht improvisierte Sache. Die 138 Delegierten, die aus fast allen deutschen Landeskirchen vom 29. bis 31. Mai 1934 nach Wuppertal-Barmen kamen, hatten erst drei Tage vorher die Einladung erhalten. Doch die Not vieler evangelischer Pfarrer und Laien war so groß, dass sie die Mühe der Fahrt und die improvisierte Unterkunft, ja sogar die Unterschiede zwischen Reformierten, Unierten und Lutheranern in Kauf nahmen.

Die Nazi-nahen Deutschen Christen hatten sich 1933 auf Geheiß der Nationalsozialisten zu einer Reichskirche zusammengeschlossen und für die Einführung des „Arierparagraphen“ in der evangelischen Kirche plädiert. Wer diesen Weg nicht mitgehen wollte, wurde massiv unter Druck gesetzt. Die in Wuppertal verabschiedete „Barmer Theologische Erklärung“ wirkte wie ein Befreiungsschlag und bildete das theologische Fundament der wenig später gegründeten Bekennenden Kirche. Am heutigen Sonntag feiert die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) das Jubiläum mit einem Festgottesdienst im Berliner Dom, auch in vielen evangelischen Kirchen wird das Barmer Bekenntnis heute Thema sein.

Die Barmer Erklärung sei ein „Dokument evangelischer Freiheit“, sagt Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der EKD. Darin bekenne sich die evangelische Kirche zu Jesus Christus als dem einzigen Herrn der Kirche, neben dem es keine Macht gebe, die an Christen einen weiter reichenden Anspruch erheben könne. Deshalb dürfe die Kirche weder von innen her noch von außen gesellschaftlichen oder politischen Zielen unterworfen werden.

Auch die protestantische Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die Barmer Erklärung. Die Bekenntnissynode in Barmen habe ein Zeichen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gesetzt, schrieb Merkel in einem Beitrag für das Magazin „Chrismon“. Die Synode habe zwar nur eine Minderheit der deutschen Protestanten vertreten, „aber sie bewahrte die Evangelische Kirche vor der Selbstaufgabe und verlieh ihr damit auch nach 1945 Kraft und Glaubwürdigkeit“. Das Barmer Bekenntnis helfe auch heute, zwischen dem Auftrag der Kirche und den Aufgaben des Staates zu unterscheiden. Der Staat habe für Recht und Frieden zu sorgen. Ethisch-moralische Standards könne die Politik nicht setzen, nur aufnehmen.

Die maßgeblich von dem Schweizer Theologen Karl Barth verfasste Barmer Erklärung beinhaltet sechs Thesen, die jeweils mit der Formel enden: „Wir verwerfen die falsche Lehre...“. So wird verworfen, dass die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer dem Wort Gottes noch andere Ereignisse, Mächte und Wahrheiten als Offenbarung anerkennt. Es wird verworfen, dass es „Bereiche unseres Lebens gibt, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären“. Christen sollten allein auf Jesus hören und sich nicht mitreißen lassen von der allgegenwärtigen Propaganda eines Joseph Goebbels. Sie sollten allein Christus vertrauen und nicht auf die scheinbaren Sicherheiten, die ein Führer, ein „wehrhaftes Volk oder eine Partei“ suggerierten.

Das Barmer Bekenntnis war nach dem Krieg häufig Bezugspunkt. Kirchliche Friedensaktivisten, Anti-Atomkraftgegner beriefen sich im Westen ebenso darauf, wie in der DDR Vertreter der „Kirche im Sozialismus“. Dabei steht in der Erklärung nichts über die einsetzende Judenverfolgung oder den Terror gegen politische Nazi-Gegner. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer ging weiter. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen“, riet er 1935 seinen Studenten. Bonhoeffer war auch in der Bekennenden Kirche isoliert.

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