Barschel-Affäre : Neue Indizien für Mord an Uwe Barschel

Fast 20 Jahre nach dem Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel gibt es offenbar neue Spuren, die auf Mord hinweisen. Einem Medienbericht zufolge wurde ein geplatzter Waffen-Deal dem Ex-Ministerpräsidenten zum Verhängnis.

Uwe Barschel
Uwe Barschel -Foto: dpa

HamburgHintergrund des mysteriösen Todes 1987 in Genf war demnach die geplante Lieferung von U-Booten der Kieler Werft HDW nach Südafrika. Barschel habe das Geschäft befürwortet, um einen drohenden Konkurs der Werft abzuwenden. Als der Deal doch platzte, sei er dafür "zur Verantwortung gezogen" worden.

Die Illustrierte stützt sich auf die Recherchen zweier ehemaliger "Stern"-Redakteure, die sich seit Jahren mit dem Fall Barschel beschäftigen. Die Leiche des Ex-Ministerpräsidenten war im Oktober 1987 in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel "Beau Rivage" gefunden worden. Der CDU-Politiker starb an Medikamentenvergiftung. Ob es Mord oder Selbstmord war, konnte bisher nicht bewiesen werden. Seit langem wird auch über eine angebliche Verstrickung Barschels in Waffengeschäfte spekuliert.

Erstmals eine "plausible Erklärung"

Die Darstellung der Autoren Rudolf Lambrecht und Leo Müller sei mit einer Fülle von Daten und Details aus dem Leben Barschels belegt, von denen viele bislang nicht bekannt gewesen seien, schreibt der "Stern" in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Erstmals gebe es nun "eine plausible Erklärung dafür, warum Uwe Barschel nach seinem Sturz zu einem 'Sicherheitsrisiko' für hochrangige Waffenhändler wurde und deswegen höchstwahrscheinlich zum Schweigen gebracht werden musste", erklärte Chefredakteur Thomas Osterkorn.

In der Anbahnungsphase des U-Boot-Geschäftes sollen den Autoren zufolge hohe Schmiergeldzahlungen auf ausländische Konten geflossen sein, die der CDU gehört hätten. Die beiden Journalisten hätten Informanten gefunden, die damals auf südafrikanischer und deutscher Seite mit dem Deal vertraut gewesen seien. Nach deren Aussagen habe sich Barschel persönlich in das U-Boot-Geschäft  eingeschaltet und für dessen korrekte Abwicklung verbürgt. Von den Geldzahlungen habe er in seinen Wahlkämpfen profitiert. (mit dpa)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben