Politik : Barschels Tod – wird er neu untersucht?

Karlsruhe/Kiel - Generalbundesanwältin Monika Harms soll den Fall Barschel neu aufrollen. Knapp 20 Jahre nach dem Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel hat der Anwalt der Familie, Justus Warburg, die Karlsruher Behörde aufgefordert, sie solle „im Fall Barschel strafrechtliche Ermittlungen in eigener Regie aufnehmen“. Laut „Bild am Sonntag“ hat ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigt: „Das Schreiben liegt uns vor, wir prüfen den Vorgang.“ Nach Informationen der Zeitung hat die Generalbundesanwältin den schleswig-holsteinischen Generalstaatsanwalt Erhard Rex bereits schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Barschel war in der Nacht zum 11. Oktober 1987 in der Wanne des Zimmers 317 des Genfer Hotels „Beau Rivage“ tot aufgefunden worden.

Barschels Witwe Freya und sein Bruder Eike waren immer überzeugt, Uwe Barschel sei ermordet worden. 1998 hatte die Lübecker Staatsanwaltschaft das Todesermittlungsverfahren eingestellt. Ein geplantes Buch des damaligen ermittelnden Staatsanwalts Heinrich Wille habe Familie Barschel den Anlass für ihre Forderung nach neuen Ermittlungen gegeben. Wille habe mehrfach öffentlich geäußert, Barschel sei ermordet worden. Sein Buch mit dem Arbeitstitel „Der Mord an Uwe Barschel – das Verfahren“ dürfe vorerst nicht veröffentlicht werden. Ein Gericht habe ihm dies auf Veranlassung seines Chefs, Generalstaatsanwalt Rex, verboten. Der ist weiter skeptisch: „Barschels Tod bleibt rätselhaft. Ob er jemals aufgeklärt wird, bleibt offen. Es gibt Indizien für Selbstmord und Mord. In den letzten zwei Jahren haben wir 20 neue Hinweise überprüft, leider ohne Ergebnis.“ ddp

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