Politik : Bartoszewski: Freundschaft muss das Ziel sein

Polnischer Ex-Außenminister dringt auf bessere Beziehungen zwischen den Nachbarländern

Hannes Heine

Potsdam - Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski hat Deutsche und Polen aufgerufen, sich um den Aufbau stabiler freundschaftlicher Beziehungen zu bemühen. „Man muss über die Normalität, die man schon erreicht hat, auch die Freundschaft erreichen“, sagte Bartoszewski am Montag bei einem Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in Potsdam. Der Historiker und ehemalige Widerstandskämpfer fügte hinzu: „Freundschaften aufzubauen, ist ein sehr mühsamer Prozess.“ Das sei eine wichtige Aufgabe für die kommenden Generationen, die einen unvoreingenommenen Blick haben.

Erst die Wende 1989 habe zum Durchbruch in den deutsch-polnischen Beziehungen geführt. Im Gegensatz zu den damaligen Regierungen Großbritanniens und Frankreichs seien es Polen gewesen, die die Wiedervereinigung sofort unterstützt haben. In den kommenden Jahren könnten Polen und Deutsche nun unter fortschreitender Freundschaft leben. Angesichts des internationalen Terrorismus stünden die Nachbarn schon jetzt vor gemeinsamen Herausforderungen.

Seit die Brüder Lech und Jaroslaw Kaczynski von der nationalkonservativen Partei PiS vor einem Jahr die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Polen gewonnen haben, sind die Beziehungen zwischen Warschau und Berlin gespannt. Staatspräsident Lech Kaczynski ist unter anderem durch kritische Kommentare zur Homosexualität und ein Plädoyer für die Wiedereinführung der Todesstrafe aufgefallen. Schon in den vergangenen Jahren äußerten Polen immer wieder Bedenken wegen der Rückgabeansprüche von Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet worden sind. Polnische Nationalisten rechnen sich deshalb gute Chancen bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 12. November aus.

Die Wahlerfolge der rechtsextremen NPD in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete Bartoszewski als „geistige Vergiftung“. Wie bedrohlich nationalistische Ressentiments langfristig aber wirklich seien, hänge von der Ausbildung und Erziehung einer ganzen Gesellschaft ab, sagte er.

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