Politik : Bartsch nun doch Linken-Fraktionsvize?

Berlin - Der scheidende Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, wird voraussichtlich stellvertretender Vorsitzender seiner Bundestagsfraktion. Ein Sprecher der Linksfraktion teilte am Donnerstag in Berlin mit, am Abend werde ein neuer Fraktionsvize gewählt. Den Namen des Kandidaten nannte er nicht, bestätigte im Grundsatz aber entsprechende Informationen des Internetportals „Stern.de“. Zu Redaktionsschluss dieser Zeitung war die Wahl noch nicht beendet.

Nach einem parteiinternen Machtkampf hatte Bartsch in der vergangenen Woche angekündigt, er wolle auf dem Parteitag im Mai nicht mehr als Bundesgeschäftsführer kandidieren. Ihm war Illoyalität gegen den Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine vorgeworfen worden. Als ihn Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi in der Vorwoche öffentlich rügte, kündigte Bartsch schließlich seinen Rückzug an. Nach dieser Entscheidung war bereits spekuliert worden, dass Bartsch vom einfachen Bundestagsabgeordneten zum Fraktionsvize aufrücken könnte.

Nach Angaben der Linken wird in der Fraktion jetzt ein zusätzlicher Stellvertreterposten geschaffen. Bislang gab es neben dem Vorsitzenden Gysi mit Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, Ulrich Maurer, Werner Dreibus, Petra Sitte und Jan van Aken sechs Fraktionsvize.

Das Verhältnis zwischen Bartsch und Lafontaine galt schon seit längerem als zerrüttet. Während Bartsch die Linke auf einen realpolitischen Kurs trimmen wollte, stand Lafontaine eher für einen harten Oppositionskurs. Im Rahmen dieses Machtkampfs war wiederholt kolportiert worden, Lafontaine wolle nur dann erneut als Parteichef kandidieren, wenn Bartsch seinen Posten als Bundesgeschäftsführer aufgibt.

Lafontaines politische Zukunft ist nach seiner Krebserkrankung weiterhin unklar. Gysi hatte am Mittwoch in einem Fernsehinterview erklärt, Lafontaine habe bereits eine Entscheidung getroffen. Allerdings ließ er offen, ob der Saarländer beim Bundesparteitag in Rostock erneut für den Chefposten kandidiert. Gysi kündigte lediglich an, Lafontaine werde sich „in Kürze erklären“. Gleichzeitig betonte er, der 66-Jährige sei wie kein anderer in der Lage, auch vom Saarland aus erfolgreich Bundespolitik zu machen.dpa

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