Politik : Bauern fürchten um Saatgut

EU will hohe Schwellenwerte für Gentech-Samen verabschieden

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Brüssel/Berlin (deh). Die Grundsatzentscheidung ist gefallen: Gentechnisch veränderte und konventionell gezüchtete Pflanzen sollen in der Europäischen Union nebeneinander existieren. Doch wie diese Koexistenz erreicht werden kann, und wer dafür bezahlt, ist umstritten. Am Mittwoch hat der Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments in Brüssel die geplanten Schwellenwerte für das Saatgut problematisiert.

EUVerbraucherkommissar David Byrne hat einen Vorschlag vorgelegt, nach dem Saatgut nicht vollständig von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) freigehalten werden muss. Die wissenschaftlichen Ausschüsse der EU halten folgende Schwellenwerte für unabsichtlich ins Saatgut gelangte GVO für ausreichend: 0,3 Prozent in Raps, 0,5 Prozent in Mais, Kartoffeln, Tomaten, Rüben und Chicoree, sowie 0,7 Prozent in Soja. Auf einem Hektar Maisfeld könnten dann 200 gentechnisch veränderte Maispflanzen wachsen, ohne dass der Bauer dies wüsste. Vor allem für Biobauern ist das viel zu viel. Schließlich schreiben ihre Anbaurichtlinien vor, dass ihre Produkte keine GVO enthalten dürfen. Aber auch konventionell wirtschaftende Landwirte hätten bei so hohen Schwellenwerten Probleme, ihre Verträge mit Nahrungsmittelherstellern einzuhalten, die meist ebenfalls GVO-freie Ware verlangen. Ganz ungeklärt ist zudem die Frage, wer für den Testaufwand bezahlen muss.

Der stellvertretende Vorsitzende des EU- Landwirtschaftsausschusses, Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, kritisiert die Schwellenwerte scharf. „Ich will mir als Biobauer nicht von den Konzernen meinen Marktvorteil wegnehmen lassen“, sagt er. Viele Mitsprachemöglichkeiten hat er nicht. Über die Richtlinie entscheidet der Saatgutausschuss der EU, ein reiner Verwaltungsakt. Denn die Saatgut-Richtlinie für GVO ist nur im Anhang der Saatgutverordnung geregelt.

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