Politik : Bauernpräsident sieht Ost-Konkurrenz gelassen

Sonnleitner: Neue EU-Mitglieder bedrängen deutsche Landwirte nicht so stark wie befürchtet

Nina C. Zimmermann

Berlin - Die Sorgen der deutschen Landwirte vor der EU-Osterweiterung im vergangenen Jahr waren groß – sie ängstigten sich wegen der vermeintlichen Billigkonkurrenz und geringerer Produktionsauflagen aus den neuen Mitgliedstaaten. Offenbar hat sich das geändert. „Insgesamt brauchen wir den Wettbewerb nicht zu fürchten“, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner dem Tagesspiegel. Auf der Grünen Woche hat Sonnleitner vielfach Gelegenheit, Hersteller aus den neuen EU-Staaten zu treffen. Unter den rund 1600 Ausstellern aus 55 Ländern sind in diesem Jahr auch die osteuropäischen EU-Neulinge vertreten.

Sonnleitner ist zwar der Ansicht, dass die Neuen in „Teilbereichen“ sehr stark sind, etwa Polen bei der Apfelproduktion oder Tschechien, das in diesem Jahr Partnerland bei der Grünen Woche ist, beim Ackerbau. Aber er sieht seine Landwirte für den Wettbewerb gut gerüstet, „wenn faire Bedingungen herrschen“. Fair heißt in diesem Fall, dass die osteuropäischen Bauern derzeit nur 25 Prozent der EU-Direktzahlungen ihrer westeuropäischen Kollegen erhalten; erst 2013 soll ein einheitliches Niveau erreicht sein.

Auch die anfangs befürchtete „Rufschädigung“ durch minderwertige Produkte aus dem Osten sei nicht eingetreten, räumt Sonnleitner ein. Denn die EU-Neulinge müssen sich beim Export an die vorgeschriebenen EU-Werte halten – häufig erreichen sie diese noch nicht und dürfen daher ihre Waren nicht in die EU liefern. Umgekehrt aber steht den Produkten aus dem alten EU-Gebiet seit dem Beitritt der Weg unbegrenzt offen.

Tatsächlich liegen die Importe aus den neuen Beitrittsländern bislang „im niedrigen einstelligen Bereich“, sagt Klaus Reinsberg vom Hallenser Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa. Die Zuwachsraten seien zwar gut, aber noch bestehe ein „gehöriger Unterschied“ zwischen alten und neuen Mitgliedern. „Das Ertragsniveau dort reicht noch nicht an das deutsche heran.“

Hiesige Erzeuger hätten dagegen gute Chancen, für ihre verarbeiteten Produkte wie Joghurt und Quark im Osten neue Märkte zu erschließen. „Da besteht noch erhebliche Aufnahmekapazität“, ist Reinsberg überzeugt. Und der Kostenfaktor Arbeit, der so häufig als Nachteil der Deutschen angeführt wird? Der werde in Deutschland noch aufgefangen durch die höhere Produktivität, sagt Reinsberg – und betont das Wörtchen „noch“.

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