Politik : Bayer will Schering vor Merck retten

Der größte deutsche Pharmakonzern bietet 86 Euro je Aktie / Pharmasparte soll in Berlin bleiben

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Berlin - Der größte deutsche Pharmakonzern Bayer will Schering für 16,3 Milliarden Euro kaufen. Bayer werde 86 Euro je Schering-Aktie bieten, teilte der Leverkusener Konzern am späten Donnerstagabend mit. Damit liegt die Offerte deutlich über dem Angebot des Darmstädter Konkurrenten Merck, der 77 Euro je Aktie oder 14,6 Milliarden Euro für Schering bietet. Der Vorstand von Schering unterstützt das Angebot und will seinen Aktionären – vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage – empfehlen, die Offerte anzunehmen, teilte das Unternehmen mit. Analysten und Branchenvertreter sind aber skeptisch, ob ein Zusammengehen sinnvoll ist.

Der Kampf um das Berliner Traditionsunternehmen geht damit in eine neue Runde. Schering hatte seit Tagen nach einem „weißen Ritter“ Ausschau gehalten. Das ist die Bezeichnung für einen Retter, der einem von einer feindlichen Übernahme bedrohten Unternehmen mit einem eigenen Angebot zur Seite springt. Bereits am Nachmittag hatte es Gerüchte gegeben, wonach Bayer als möglicher „weißer Ritter“ auftauchen könnte. Daraufhin hatte der Aktienkurs von Schering erneut deutlich um fast drei Prozent auf über 85 Euro zugelegt.

Eine Bedingung von Bayer war offenbar, dass die Schering-Führung dem Angebot zustimmt, es sich also nicht um einen feindlichen Übernahmeversuch wie bei Merck handelt. Dies erhöht den Verhandlungsspielraum für Schering und den Berliner Senat, möglichst viele Arbeitsplätze zu halten. Schering beschäftigt in der Hauptstadt knapp 6000 Mitarbeiter. Das erheblich kleinere Familienunternehmen Merck hatte Anfang vergangener Woche angekündigt, Schering übernehmen zu wollen. Seitdem notiert der Kurs der Berliner Pharma-Aktie deutlich über 80 Euro.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) äußerte sich gestern positiv zu den Bayer-Plänen. „Die neuere Entwicklung zeigt, dass die Übernahme von Schering durch Merck kein Selbstläufer ist, wie das Merck bisher dargestellt hat“, sagte er dem Tagesspiegel.

Die Zentrale des künftig mehr als neun Milliarden Euro umfassenden Pharmageschäfts sowie der Vorstand der neuen Aktiengesellschaft sollen am bisherigen Schering-Stammsitz in Berlin angesiedelt werden, unter dem neuen Namen Bayer-Schering-Pharma. „Die Zusammenführung von Schering mit Bayer wird ein führendes spezialisiertes Pharmaunternehmen schaffen“, sagte Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen.

An der Börse wurde seit Tagen über eine Übernahmeofferte von Bayer, aber auch von Novartis oder dem US-Konzern Johnson & Johnson spekuliert. Jedoch hatte die Branche das Auftauchen eines „weißen Ritters“ bisher als unwahrscheinlich betrachtet, weil Schering inzwischen relativ teuer ist. Das Pharmageschäft von Bayer ist fast doppelt so groß wie das von Schering. Gemeinsam könnten beide zum zehntgrößten Pharmakonzern der Welt aufrücken.pet/mod/shf/HB

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