Politik : Bayern im Himmel, Bremen am Boden

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Von Ulrike Frenkel, München

Stolz ist Monika Hohlmeier über das bisher Erreichte schon. Aber auf dem Lob für Bayerns gutes Abschneiden bei der Pisa-Studie will sich die Kultusministerin nicht ausruhen. Und sie sieht in den Ergebnissen der Studie einen Beleg für die gute Schulpolitik der Unionsländer. Insofern fand sie bei einer Pressekonferenz am Montag in München viele lobende Worte für das südliche Bundesland.

Bayern setze auf hohe Unterrichtsqualität, zentrale Abschlussprüfungen und ein hohes Leistungsniveau. Und Pisa, betonte Hohlmeier, habe nun gezeigt, dass diese Prinzipien richtig seien. Beim nationalen Vergleich belege Bayern in den untersuchten Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und in den Naturwissenschaften jeweils Platz eins. Im internationalen Vergleich sei es das einzige deutsche Land, das immer über dem OECD-Durchschnitt liege.

Gleichzeitig dankte die Kultusministerin den Lehrern in ihrem Land für ihr Engagement und sprach den Schülern für die Leistungen ihre Anerkennung aus. Besonders bemerkenswert sei, „dass Bayern als das Land mit dem höchsten Anforderungs- und Qualitätsniveau auch die höchste Elternzufriedenheit hat".

Aber es gab auch Tadel. Zum Beispiel für Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Der warf Hohlmeier vor, eine schlechte Verliererin zu sein. Bulmahn bemühe sich krampfhaft, die bayerischen Ergebnisse schlecht zu reden, und versuche mit Forderungen nach einer „nationalen Kraftanstrengung“ von den schlechten Ergebnissen der SPD-Länder abzulenken. Dabei zaubere sie nur alte Hüte hervor. Bundeseinheitliche Bildungsplanung und Ganztagsschulen könnten keine Lösung für die Pisa-Probleme sein. Die Kompetenz liege sowohl rechtlich als auch inhaltlich eindeutig bei den Ländern: „Wo stünden wir bei Pisa, wenn die SPD überall für die Bildung verantwortlich wäre.“

Trotz der guten Pisa-Ergebnisse will Bayern noch einiges verändern. Vom kommenden Schuljahr an werde man Sprachlernklassen an Grund- und Hauptschulen einführen, um die Integration ausländischer Kinder zu fördern. Vom Schuljahr 2003/2004 an soll es an bayerischen Gymnasien das Fach „Natur und Technik“ in der Unterstufe geben.

Auch um sozial schwächere Schüler will sich Bayern mehr bemühen. Dafür ist der Ausbau von Ganztagsangeboten vorgesehen. Benachteiligungen, so die Hoffnung Bayerns, könnten damit künftig besser ausgeglichen werden.

Von Eckhard Stengel, Bremen

So betroffen wirkt Willi Lemke sonst nur, wenn „Werder Bremen“ ein Fußballspiel verloren hat. Diesmal hat ihm Pisa das Wochenende verdorben. „Grottenschlecht“ habe die Hansestadt abgeschnitten, bekannte der Bildungssenator und Ex-Werder-Manager, nachdem er das Ergebnis des innerdeutschen Schulleistungsvergleichs „Pisa-E“ überflogen hatte. Wäre er nicht erst seit knapp drei Jahren im Amt, würde er jetzt glatt zurücktreten, sagte der zerknirschte SPD-Politiker.

Nicht nur nach Lemkes Einschätzung sind die Ursachen der Misere in längerfristigen Entwicklungen zu suchen. Liegt es vor allem an der schlechten Ausstattung der Schulen? Der hochverschuldete Stadtstaat spart seit Jahren an der Bildung. Es gibt zu wenige Lehrer, in vielen Erdkundebüchern ist noch die DDR verzeichnet, manche Gebäude gammeln vor sich hin. Oder ist sogar das bundesweit einmalige Bremer Schulsystem schuld am Desaster?

Die einst allein regierende SPD hatte in den siebziger Jahren damit begonnen, fast alle Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien durch „horizontale Stufenschulen“ zu ersetzen: Nach Grundschule und Orientierungsstufe besuchen die Kinder ein Schulzentrum der Sekundarstufe I – eine Art kooperative Gesamtschule. Dort werden sie zwar auf Hauptschul-, Realschul- oder Gymnasialklassen aufgeteilt, sind aber räumlich nicht voneinander getrennt und können eher von einem Zweig zum anderen wechseln.

Der CDU hat dieses Konzept noch nie gepasst. Deshalb wehrt sie sich bisher gegen Lemkes Forderungen, den Bildungsetat aufzustocken, um die Schulen nach „Pisa“ fitter zu machen. Nicht mal für die kürzlich von der großen Koalition beschlossenen Sprachkurse für ausländische Schulanfänger fließt zusätzliches Geld; Lemke muss zusehen, wo er dafür an anderer Stelle kürzt.

Für den Bildungssenator spielt auch die (Spaß)Gesellschaft eine große Rolle. Sie müsse wieder mehr Freude an der Leistung vermitteln. Und aus den Kinderzimmern sollten doch bitte die Fernseher verschwinden.

Ganz so schlecht, wie die Pisa-Studie behauptet, ist Bremen vielleicht auch gar nicht. Lemke zweifelt an ihrer Aussagekraft, weil bei den Tests ein überproportional hoher Anteil von Schülern mit fremder Muttersprache (40 Prozent) mitgemacht habe. Außerdem merkt er an, dass in Bremen fast zehn Prozent aller Schüler Sozialhilfeempfänger seien. Flächenländer wie Bayern könne man daher nicht mit Stadtstaaten vergleichen.

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