Bayern-Wahl : Wiedersehen mit Gabriele Pauli?

Als Frontfrau der Freien Wähler fordert die ehemalige CSU-Landrätin Gabriele Pauli Ministerpräsident Günther Beckstein in dessen Wahlkreis heraus.

Carolin Kreil[München]
Pauli
Pauli mit dem Landesvorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. -Foto: ddp

Die Dame hat einen Ruf wie Donnerhall – nicht nur bei der CSU. Gabriele Pauli, die frühere Fürther Landrätin, ehemaliges Mitglied im CSU-Vorstand und mitverantwortlich für den Sturz von Edmund Stoiber, ist wieder in der Landespolitik aktiv, und lehrt wieder einen Parteivorsitzenden das Fürchten: Dem Chef der Freien Wähler in Bayern, Hubert Aiwanger, hat sie beigebracht, „die Pauli“ wie eine Naturgewalt hinzunehmen.

Anfang Mai noch wollte der 37-jährige niederbayerische Landwirt („20 Kühe, 50 Zuchtsauen“) ihren Beitritt verhindern, Anfang Juli hieß sie bei Aiwanger „diese Frau Pauli“ – jetzt ist sie Direktkandidatin im Stimmkreis Nürnberg-Nord und eines der prominentesten Aushängeschilder der Freien Wähler. Man grüßt und herzt sich artig wie am Dienstagabend bei der Abschlusskundgebung vor der Lorenzkirche in Nürnberg. Der „liebe Hubert“ und die „liebe Gaby“ brauchen sich. „In den großen Städten geht viel mehr über bekannte Personen, sie hat das Medieninteresse“, sagte Aiwanger.

Seit Pauli nicht nur dem heutigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) als Gegenkandidatin in dessen Stimmkreis entgegentritt, sondern auch auf einer Nieder- und Oberbayern-Tour ihre Bierzelttauglichkeit vor bis zu 4000 Leuten unter Beweis gestellt hat, sind die Freien Wähler tatsächlich im Aufwind. Zwischen sechs und acht Prozent sehen sie die Umfragen, damit kämen sie als erste freie Wählervereinigung in Deutschland in ein Landesparlament.

Ihre Wähler suchen und finden sie dort, wo Ärger über die CSU vorherrscht, so liegt viel Populismus in den Forderungen und viel Pragmatismus in den Ankündigungen: „Wir werden nicht als Steigbügelhalter für die CSU dienen, aber zum Wohle Bayerns mit allen zusammenarbeiten“, sagt Aiwanger.

In diesem politischen Umfeld findet eines der schillerndsten Duelle um ein Direktmandat in Bayern statt: Der Günther gegen die Gaby, die beiden ehemaligen politischen Weggefährten sind seit langem per Du. War allerdings Pauli 2007 für Beckstein anfangs als Ministerin in seinem Kabinett denkbar, verspielte sie ihren Bonus mit Latexfotos, Forderungen nach der Ehe auf Zeit und anderen schrillen Politaktionen. Danach hatte Beckstein für Pauli nur noch ein „Kopfschütteln“, verbunden mit dem Respekt für ihre 18-jährige Arbeit als Landrätin.

Die Ehe-Forderung hat sie behalten, sie ergänzt um den Vorschlag einer Direktwahl des Ministerpräsidenten, mehr direkter Mitsprache der Bürger in der Landespolitik, der Besetzung von politischen Ämtern zur Hälfte mit Frauen und des Endes des Beamtenstatus von Lehrern. Das passt in den bunten Strauß von politischen Vorstellungen der bunten Gruppierung Freie Wähler.

Pauli soll nach den Worten ihres Mentors bei den Nürnberger Freien Wählern, Jürgen Horst Dörfler – ebenfalls enttäuschter CSU-Mann –, keine Zettel auf der Straße verteilen, sie soll landesweit Schlagzeilen machen. Auch im Stimmkreis gegen Beckstein. Das tut sie: „Ich wollte einen gemeinsamen Auftritt, aber mir wurde gesagt, Beckstein habe dafür keine Zeit. Er drückt sich offenbar davor, mit mir zu diskutieren.“ Ministerpräsident Beckstein hat angesichts der Umfragen, die die CSU bei 47 oder 48 Prozent sehen, vermutlich drängendere Probleme.

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