Politik : Bayern zittern sich ins Viertelfinale

Das 3:1-Polster aus dem Hinspiel hat gereicht. Trotz einer 0:1-Niederlage im Rückspiel bei Arsenal London hat der FC Bayern München erstmals seit drei Jahren wieder das Viertelfinale der Champions League erreicht.

London (09.03.2005, 22:58 Uhr) - Auch ohne Erfolgsgarant Roy Makaay hat sich der FC Bayern München ins Viertelfinale der Champions League gezittert und damit die totale Schmach der deutschen Clubs im Europacup verhindert. Dank des 3:1 aus dem Hinspiel behielt der deutsche Rekordmeister im Achtelfinal-Duell gegen Arsenal London und Jens Lehmann trotz der 0:1 (0:0)-Niederlage am Mittwochabend im Highbury-Stadion die Oberhand. Vor 35.463 Zuschauern erzielte Thierry Henry in der 66. Minute das Tor zum glücklichen Sieg für die «Gunners». Zwei Minuten vor Schluss verhinderte Oliver Kahn mit seiner Parade gegen Kolo Toure den drohenden K.o. der Münchner.

Nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung lieferten die Bayern mit dem Zwei-Tore-Polster im Rücken in der «Hölle von Highbury» lange Zeit eine konzentrierte und abgeklärte Vorstellung, der lediglich die Krönung in Form eines Tores versagt blieb. Im ersten Viertelfinalspiel müssen die Münchner auf Martin Demichelis verzichten, der seine dritte Gelbe Karte im Wettbewerb sah.

«Wir sind alle überglücklich, weil es bis zur letzten Sekunde sehr kritisch war. Wir sind riesig erleichtert, dass wir eine Runde weiter sind. Ich hätte das 0:1 auch nicht gebraucht», bekannte Trainer Felix Magath nach der ersten Bayern-Niederlage im Landesmeister-Wettbewerb auf der britischen Insel. «Dieses Resultat gibt uns viel Selbstvertrauen», sagte Sebastian Deisler auch im Hinblick auf den Bundesliga-Gipfel am Samstag bei Schalke 04.

Wer von Beginn an einen bedingungslosen Sturmlauf des FC Arsenal erwartet hatte, wurde überrascht. Denn nicht der Tabellen-Zweite der Premier League, sondern die aggressiv und bissig in die Zweikämpfe gehenden Münchner bestimmten zunächst Tempo und Rhythmus des Spiels und hielten den Ball mit Erfolg vom eigenen Strafraum fern. Einziges Manko bei den enorm zweikampfstarken Bayern, die sich eine Halbzeit lang als klarer Punktsieger fühlen durften, war die fehlende Durchschlagskraft im Angriff. Der kämpferisch überzeugende Deisler, der kurzfristig für den erkälteten Torsten Frings ins Team gekommen war, wurde bei zwei Schussversuchen abgeblockt.

Der 13fache englische Meister versuchte sein Glück meist mit hohen Bällen in die Mitte, die die sichere Bayern-Innenverteidigung mit Robert Kovac und Lucio kaum vor Probleme stellten. Patrick Vieira lieferte sich im Mittelfeld erbitterte Duelle mit Michael Ballack und steigerte sich bei den Londonern nach schwachem Beginn in der Rolle des Spielgestalters. Bis zur 40. Minute war Kahn beschäftigungslos, dann verbuchte der Bayern-Keeper im Duell mit seinem kaum geprüften Nationalmannschaftskollegen Lehmann den ersten Erfolg, als er einen Schuss von Henry aus spitzem Winkel meisterte. Der Torjäger hatte sich am linken Flügel gegen Lucio und Sagnol durchgesetzt.

Obwohl die Gastgeber nach Wiederbeginn den Druck erhöhten, behielt die Defensive der Bayern zunächst noch die Übersicht. Zu ihrer zweiten Torchance kamen die «Gunners», als ein Schuss von Vieira (54.) knapp am Tor vorbeiflog. Zwölf Minuten später fiel wie aus heiterem Himmel die Führung für Arsenal. Als sich Lucio nach einem weiten Pass von Ashley Cole verschätzte, hatte Henry plötzlich freie Bahn und ließ Kahn keine Chance. Den Ausgleich verhinderte wenig später Lehmann (75.), als er einen 16 m-Schuss von Michael Ballack reaktionsschnell über die Latte lenkte.

(Von Klaus Bergmann, dpa) ()

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