Bayerns Grüne : Der Leuteversteher

Sepp Daxenberger, Landesvorsitzender in Bayern und Biobauer, war der erste grüne Bürgermeister in Bayern. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und lehrt die CSU das Fürchten.

Carolin Kreil[München]
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Sepp Daxenberger. -Foto: dpa

Der Mann ist wie Bayern: Kernig, urig und kann alles außer Hochdeutsch. Wenn der 46-jährige Biobauer und Landesvorsitzende der Grünen, Sepp Daxenberger, die CSU aufs Korn nimmt, geht es zur Sache: „Die CSU hat die Hosen voll“, sagt er dann oder „Es hilft einem das beste Programm nichts, wenn man ein Arschloch ist.“

So spricht Daxenberger mit den Leuten über Politik. Die verstehen ihn und finden den Urbayern landauf, landab gut. Der einstmals – mit Ergebnissen von 76 Prozent gewählte – erste grüne Bürgermeister in Bayern kniet sich voll in den Wahlkampf. Ein bisschen Daxenberger, das geht nicht – „wie bei der Gentechnik“. „Ich bin froh, dass ich wahlkämpfen kann“, sagt er und verweist auf seine schwere Knochenkrebserkrankung, die ihn vor ein paar Jahren fast zu Fall gebracht hätte. Überall geht er offen mit diesem Thema um: Dass die Krankheit in Schach, aber nicht überwunden ist. Und dass er sich nie hat unterkriegen lassen – auch nicht nach dem Rückschlag 2006. „Net schwer orweiten (arbeiten) und net raffa (raufen) derf I“, grinst er das ernste Thema weg.

Mit dieser umwerfenden Art hat er sogar eine Festung der Grünen genommen: Sie haben ihn unter Jubelstürmen in Augsburg zum alleinigen Spitzenkandidaten bestimmt – ohne Doppelspitzenfrau an der Seite. „Zeit wird’s“ lautet das Motto der Grünen. Der Mann ist ein Phänomen für die CSU, weil er kaum angreifbar ist, und das irritiert sie: „Der Daxenberger ist ein Scheinheiliger“, sagt einer aus der CSU, aber viel konkreter wird die Kritik selten. Daxenberger selbst sagt: Ich passe nicht in deren Schema.“ In den 70er wollten ihn die Schwarzen für sich gewinnen, der Daxenberger ging lieber zu den Grünen. Für ihn kein Widerspruch: Verwurzelt in seiner oberbayerischen Heimat und in einem starken Glauben wie er ist, wertkonservativ eben. Heute ist es genau das, was ihn auch für Christsoziale wählbar macht. Der „Schrecken der CSU“ wurde er genannt. Der Bartträger macht die in den Städten starken Grünen hoffähig auf dem flachen Land. Er redet mit den Leuten in ihrer Sprache – als Bauer mit einem Drei-Generationen-Hof in Waging. Und er könnte das erste grüne Direktmandat holen.

Dass seine Partei ihm manchmal Knüppel zwischen die Beine wirft, wurmt ihn. Zum Beispiel jener Parteitagsbeschluss, dass religiöse Symbole nicht ins Klassenzimmer gehörten. Die CSU nutzt das weidlich aus und geifert: „Die wollen ein anderes Bayern – ohne Kruzifix und christlichen Glauben.“ Hier brauchte Daxenberger Wochen, um auszubaden, was ihm seine eigene Partei eingebrockt hatte: Wer ihn fragt, dem antwortet er: „Wir wollen die Schöpfung bewahren.“ Dann spricht er über christliche Erziehung und seinen Glauben – er ist da glaubwürdig.

Erstmals sollen die Grünen ein zweistelliges Ergebnis erreichen. Die Umfragen sehen sie im Moment zwischen neun und elf Prozent. Eine Mehrheit jenseits der CSU ist dennoch nicht leicht – vor allem wegen der Bayern-SPD, die bestenfalls bei 21 Prozent liegt. „Ich sehe eine Chance für den Machtwechsel, aber nur mit der FDP. Mit den Linken geht nichts.“

Und warum will so ein wertkonservativer Grüner nicht mit der CSU? „Die CSU braucht Zeit in der Opposition, um sich neu zu sortieren. Sie haben keine Vision, und wir sind keine Filzverlängerer.“ Und in Zukunft? „Ich würde niemals nie sagen, aber jetzt retten wir erst mal die Gletscher und schmelzen die CSU ab.“

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