Bayernwahl : Immer diese Franken

Die CSU hat 46 Jahre allein regiert. Ein Blick auf die Köpfe der Partei – nur für den Fall, dass es vorbei sein sollte.

Albert Funk
Bayern
CSU-Chef Erwin Huber (l.) und Ministerpräsident Günther Beckstein müssen zittern. Die Kanzlerin lächelt. -Foto: dpa

Vielleicht liegt es ja doch an den Franken. Das letzte Mal jedenfalls, als die CSU noch Koalitionspartner im Münchner Landtag dulden musste, Anfang der 60er Jahre, regierte Hans Ehard als Ministerpräsident. Und der war Franke. Wie auch sein Vorgänger Hanns Seidel, ebenfalls Chef einer Koalitionsregierung in München (mit der FDP und der Heimatvertriebenenpartei).

Erst 1962 schaffte es die CSU, ein Landeskabinett nur mit eigenen Leuten zu füllen, und zwar unter Ministerpräsident Alfons Goppel, einem Oberpfälzer. Der 1974 mit 62,1 Prozent das beste CSU-Resultat erreichte. Dem auf Goppel folgenden Erfolgstrio aus Oberbayern – Franz Josef Strauß, Max Streibl, Edmund Stoiber – gelang es danach fast drei Jahrzehnte lang relativ locker, den 50-plus- x-Mythos der CSU zu festigen und sich Koalitionspartner vom Leib zu halten. Und jetzt regiert Günther Beckstein. Wieder ein Franke. Und möglicherweise muss sich die CSU nach der Wahl an diesem Sonntag ja wieder einen Koalitionspartner suchen.

Das könnte, auch wenn beide es vehement ausschließen, das Ende der politischen Karrieren von Beckstein und Parteichef Erwin Huber bedeuten. Bei Huber früher, bei Beckstein später. Die beiden haben im vorigen Jahr Edmund Stoiber aus dem Amt gedrängt, der 2003 das zweitbeste CSU-Ergebnis (60,7 Prozent) seit Bestehen der Partei eingefahren hatte und eigentlich gar nicht aufhören wollte. 50 plus X ist schon deswegen Pflicht für Beckstein und Huber, die beweisen wollen und müssen, dass sie den Mythos am Leben halten können. Zuletzt kam die Forderung nach einem 50-plus-Ergebnis – Rache ist süß – von Stoiber selbst, der in der CSU mittlerweile eine ähnliche Rolle spielt wie Franz Beckenbauer beim regional führenden Fußballclub.

Die Umfragen freilich deuteten konstant auf 50 minus X. Und Beckstein und Huber legten einen Zitterwahlkampf hin, den die erfolgsverwöhnte CSU nicht gewohnt war. Zwar herrscht in Bayern keine echte Wechselstimmung unter den Wählern, aber auch keine Siegesstimmung bei der seit 46 Jahren allein regierenden CSU. Sollte das Wahlergebnis die Umfragen bestätigen, wird das wohl personelle Folgen haben.

Wer aber sind die Köpfe der CSU, die für Führungsaufgaben in Frage kämen? Michael Glos, der Bundeswirtschaftsminister, und Peter Ramsauer, der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, werden in der Bundespolitik bleiben. Glos nähert sich dem Ende der Karriere, Ramsauer dürfte gerade nach einem schlechten Wahlausgang dringender in Berlin gebraucht werden als daheim – denn dann gilt es, auf Bundesebene wieder etwas mehr Wirbel zu machen, um zwischen Coburg und Rosenheim deutlich werden zu lassen, dass nur die CSU für Bayern im Bund etwas erreichen kann. Für den gern als Mann der Zukunft bezeichneten Markus Söder käme eine Führungsposition zu früh. Als CSU-Generalsekretär unter Stoiber pflegte er ein eher grobes Auftreten, weshalb er sich jetzt als Bundesrats- und Europaminister bemüht, zu einem weniger ruppigen Image zu gelangen. Was noch Zeit braucht.

Als möglicher neuer Parteivorsitzender wird oft Bundesverbraucherminister Horst Seehofer genannt, der im Vorjahr Huber unterlag. Allerdings hat Seehofer, der immer nur Bundespolitiker war, in Bayern keine mächtige Truppe hinter sich. Was ihn freilich zur idealen Übergangslösung machen würde. Ein anderer Parteichefkandidat ist Kultusminister Siegfried Schneider, der auch den starken Parteibezirk Oberbayern führt.

Und wer käme als Ministerpräsident in Frage, wenn Beckstein hinwirft? Oder dazu gedrängt wird? Der Fraktionschef Georg Schmid wohl eher nicht. Er gilt als farblos und hat zudem vor der Wahl die CSU-Devise, Bayern müsse immer Spitze sein, am denkbar falschen Objekt durchexerziert: Das bundesweit härteste Rauchverbot in Gaststätten kam im Volk gar nicht gut an, auch wenn es mit der liberalsten Umgehungsmöglichkeit namens Raucherclub garniert war. Mögliche CSU- Verluste werden auch diesem Gesetz zugeschrieben, denn von oben herab verbieten lässt man sich in Bayern auch von der CSU nicht gern etwas.

Am ehesten würde auf Beckstein wohl Joachim Herrmann folgen, derzeit Innenminister und davor Fraktionschef. Herrmann gehört zur unaufgeregten Abteilung der CSU, was in einer aufwühlenden Phase nach einer Niederlage nicht gegen ihn spräche. In seinen bisherigen Ämtern hat er auch keine groben Fehler gemacht. Ob die CSU mit Herrmann aber wieder zu alter Stärke auflaufen würde – wer weiß? Er kommt übrigens aus Franken (siehe oben).

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