Politik : Beamte müssen jetzt mit Kontrollbesuch am Krankenbett rechnen

Kabinett billigt Kanthers Plan gegen hohen Krankenstand Bonn/Berlin (dpa/cl/RM).Das Bundeskabinett hat am Dienstag den Vorschlägen von Bundesinnenminister Kanther (CDU) zur Senkung des hohen Krankenstandes in den Bundesbehörden zugestimmt.In dem Acht-Punkte-Katalog ist vorgesehen, daß die knapp 550.000 Bundesbediensteten künftig bei Krankheit mit einem Kontrollbesuch ihres Dienstvorgesetzten rechnen müssen.Der Nachweis der Erkrankung durch ärztliches Attest soll bereits beim ersten Fehltag zur Regel werden.Scharfe Kritik äußerte der Deutsche Beamtenbund, der von einer Kampagne sprach.Die Berliner Innenverwaltung will die Vorschläge unverzüglich prüfen. Kanther wies im Bundeskabinett darauf hin, daß der Krankenstand in der Bundesverwaltung zum Teil deutlich höher als in der Privatwirtschaft liege.Die Fehlzeiten bei Beamten seien allerdings niedriger als bei Angestellten und Arbeitern im öffentlichen Dienst.Sie lägen sogar unter den Vergleichszahlen der privaten Wirtschaft.Generell gelte auch, daß mit höherer Laufbahngruppe der Krankenstand abnehme.Mitarbeiter der Ministerien seien seltener krank als die Bediensteten nachgeordneter Behörden.Kanther sagte, eine einjährige Untersuchung bei den Bundesbehörden habe ergeben, daß dort insgesamt knapp 17 Fehltage pro Jahr und Beschäftigtem anfielen, während der Vergleichswert bei den Betriebskrankenkassen gut 15 und in der Gesetzlichen Krankenversicherung knapp über 13 Tage betrage.Bei Beamten lag die durchschnittliche Zahl der Fehltage bei 13,8, bei Angestellten bei 18,3 und bei Arbeitern bei 24,8 Tagen. Allen nachgeordneten Behörden wurde aufgegeben, bis zum 30.April ihrem jeweiligen Ministerium über die eingeleiteten Maßnahmen zu berichten.Die Ministerien ihrerseits sollen die zusammengefaßten Meldungen bis zum 30.Juni an das Bundesinnenministerium leiten. Der Sprecher der Berlinr Innenverwaltung, Thomas Raabe, sagte, es sei noch zu früh, über konkrete Maßnahmen zu sprechen.Raabe konnte keine konkreten Zahlen zum Krankenstand in Berliner Verwaltungen machen.In Berlin sind 173.000 Menschen im öffentlichen Dienst beschäftigt, darunter etwa 70.000 Beamte. Der Landesrechnungshof Berlin hatte sich des Problems im vergangenen Jahr angenommen und untersuchte die Langzeitkranken im öffentlichen Dienst näher.446 Beamte in den Haupt- und Bezirksverwaltungen, so fanden die Finanzprüfer heraus, waren schon neun Monate und länger wegen Krankheit nicht mehr im Dienst.Besonders betroffen: der Justizvollzug, die Polizei, die Feuerwehr und die Schulen.Der Rechnungshof nannte Extremfälle wie jahrelanges Kranksein ohne amtsärztliche Untersuchung, ausgedehnte Reisen kranker Beamter und die Kette "Beurlaubung-Krankheit-Vorruhestand".So betrieb zum Beispiel ein Lehrer während seiner Erkrankung seine Promotion, eine Kur zur "Wiederherstellung der Dienstfähigkeit" zögerte er aber ein Jahr hinaus.

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