Politik : Bedingt opferbereit

US-General McChrystal lobt in Berlin den deutschen Afghanistaneinsatz – und spricht von Risiken

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Unter Partnern. McChrystal (Mitte), Oberbefehlshaber der Afghanistantruppe Isaf, und Verteidigungsminister Guttenberg.
Unter Partnern. McChrystal (Mitte), Oberbefehlshaber der Afghanistantruppe Isaf, und Verteidigungsminister Guttenberg.Foto: ddp

Berlin - Die Orden sind akkurat auf einem Tischchen aufgereiht. „Ehrenkreuz der Bundeswehr – Gold – hervorragende Einzeltat“ vermerkt die Aufschrift auf dem Deckel des samtgepolsterten Kästchens. So weit ist die Bundeswehr also noch nicht, dass sie einen Helden einen Helden nennt. Aber derlei Kleinigkeiten zählen an diesem Tag nicht für den Mann, der den Krieg immerhin schon mal einen Krieg genannt hat. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die 14 Amerikaner, die am blutigen Karfreitag von Kundus verwundete Deutsche mit Hubschraubern aus dem Gefecht herausholten, schon in Afghanistan selbst geehrt. Jetzt übergibt er die formellen Auszeichnungen dem Gast, der aus Kabul eingeflogen ist. Der Oberbefehlshaber der Afghanistantruppe Isaf, Stanley McChrystal, nickt knapp. Der Vier-Sterne-General ist ein politischer Militär. Er weiß, er soll in Berlin einen Verbündeten umwerben.

McChrystal ist denn auch des Lobes voll: Deutschland sei ein „entscheidender Partner“, der seine Arbeit in Nordafghanistan mit „großem Erfolg“ mache. Das Jahr 2010 sei ein „entscheidendes Jahr“. Die Nachfrage, wie er den schwindenden Rückhalt in der deutschen Bevölkerung bewerte, beantwortet der General nur mit einem lächelnden Achselzucken: „I can’t judge“ – ich kann’s nicht beurteilen.

Hinter den verschlossenen Türen des Verteidigungs- und des Auswärtigen Ausschusses wird der General später genauer. „Sachlich, präzise und nüchtern“, berichten Teilnehmer später, habe McChrystal seine Sicht dargelegt. Keine Forderungen nach mehr deutschen Truppen, dafür klare Worte zum neuen Konzept des „Partnering“: Natürlich sei es riskanter, wenn die Bundeswehr künftig gemeinsam mit den Afghanen ins Feld ziehen und die Taliban-Hochburg im Raum Kundus – so der General – „knacken“ soll. Das widerspricht der amtlichen deutschen Sichtweise, das neue Konzept sei nicht zwingend gefährlicher. Guttenberg wiederholt sie am Mittwoch denn auch nicht. Aber nur in direktem Kontakt mit der Bevölkerung, so der US-General weiter, könne eine Region auch dauerhaft gehalten werden. An dieser Halte-Fähigkeit fehle es den Deutschen bisher, auch in Sachen Kommunikation sei die Bundeswehr nicht auf dem Stand der Zeit. Die 5000 Mann, die die USA in den Norden schicken, sollen Defizite ausgleichen.

Und noch eine deutsche Sichtweise hat der General sachte in Zweifel gezogen: Der zivile Aufbau sei nicht unwichtig. Aber für die Afghanen stehe an erster Stelle Sicherheit, an zweiter Stelle Sicherheit und an dritter eine gerechte und vertrauenswürdige Regierung. Schulen und Stromleitungen hätten Zeit bis später.

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