Politik : Bedrohte Völker: "300 Millionen Ureinwohner verlieren Land und Kultur"

Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat die Bundesregierung aufgefordert, eine internationale Konvention über die Rechte der Ureinwohner zu ratifizieren. Das 1989 verabschiedete Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) lege einen Minimalstandard der Rechte von Urvölkern auf Land, Selbstverwaltung und kulturelle Eigenständigkeit fest, erklärte die Organisation in Göttingen am Montag zum Internationalen Tag der Ureinwohner am 9. August.

Weltweit seien die rund 300 Millionen Ureinwohner in großer Gefahr, ihr Land, ihre Kultur oder sogar ihr Leben zu verlieren. Auch die deutsche Außen- und Wirtschaftspolitik greife unmittelbar in die Lebensverhältnisse dieser Völker ein. An den Rohstoffreserven, die weltweit zu 75 Prozent im Lebensraum von Ureinwohnern lagerten, sei auch die deutsche Industrie interessiert, erklärte die Organisation.

Falls die Menschenrechtsstandards für Ureinwohner nicht verbessert würden, bestehe die Gefahr, dass innerhalb der nächsten Generation ein Viertel der indigenen (eingeborenen) Kulturen "für immer ausgelöscht" werde.

Die Bundesregierung macht sich nach Auffassung der Göttinger Gesellschaft mit schuldig an Landraub und Vertreibung von Urvölkern, falls Deutschland die Konvention nicht ratifiziere.

Das ILO-Übereinkommen gilt als einzige internationale Vereinbarung, die rechtsverbindlich die Interessen der Ureinwohner schützt. Unter den EU-Staaten ist es den Angaben zufolge bislang von Dänemark, den Niederlanden und Norwegen unterzeichnet worden.

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