Politik : Beduinen im Sinai wollen nicht der Sündenbock sein

Andrea Nüsse

Kairo - „Es ist nicht logisch, die Beduinen zu verdächtigen, wenn Tourismus unsere Haupteinnahmequelle ist. Wird ein Mann seine eigene Hand abhacken?“ So fragt Wadid Awad aus dem Beduinendorf Wadi Mandar nördlich von Scharm al Scheich. Die Stammesführer der Beduinen haben sich mit den Behörden getroffen, um zu verhindern, dass ihnen nun das Gleiche widerfährt wie im vorigen Herbst den Beduinen des Nord-Sinai: Nach den Anschlägen von Taba wurden nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen 3000 Beduinen festgenommen. Mehrere hundert sitzen noch immer ohne Anklage in Haft. Die Ermittler gaben am Mittwoch bekannt, dass in Tabe und Scharm al Scheich die selben Sprengstoffe verwendet worden seien. Nach den Anschlägen von Scharm al Scheich wurden mehr als 100 Beduinen festgenommen.

Die Beduinen sind die Einzigen, die seit jeher in der Wüste des Sinai leben. 1960 waren es etwa 5000, heute sind es etwa 20 000. Doch sie sind nicht mehr die einzigen Bewohner der Halbinsel: In der Tourismus- und Ölindustrie wurden 400 000 Arbeitsplätze geschaffen, die aber größtenteils von Ägyptern aus anderen Regionen besetzt wurden. Nur ein Teil der Beduinen, die oft schlecht ausgebildet sind, profitiert vom Tourismusboom, als Taxifahrer oder Kamelführer.

Wenn die Sicherheitskräfte nun gegen die Beduinen vorgehen, werden die Spannungen zunehmen. Dabei scheint der extremistische Islam unter den Wüstenbewohnern wenig verbreitet zu sein. Stammesrecht regelt das Leben. Doch diese Tradition ist bedroht. Unter Druck nach den Anschlägen in Taba unterzeichneten die Stammesführer einen Pakt mit den Sicherheitskräften: Sie versprachen, Verdächtige unter den Stammesmitgliedern den Behörden anzuzeigen. Dies widerspricht dem Kodex, Probleme innerhalb des Stammes zu regeln. Damit wird der Einfluss der Stammesältesten beschnitten, das traditionelle Gefüge aufgelöst. Und genau dies sind typische Voraussetzungen für die Entwicklung des Islamismus.

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