Politik : Befahl Castro den Mord an Kennedy?

Simone Schellhammer

Hamburg - Sie ist eine der vielen Theorien für das Kennedy-Attentat von 1963: Harvey Oswald wurde vom kubanischen Geheimdienst beauftragt, Präsident John F. Kennedy umzubringen. Doch nun belegen zwei Filmautoren diese These mit erstaunlichen Zeugenaussagen und neuen Dokumenten.

Ausschlaggebend für die letztlich dreijährige Recherche des Bremer Journalisten Wilfried Huismann war ein Interview, das er für seinen Film über die deutsche Geliebte von Fidel Castro mit einem ehemaligen FBI-Agenten führte, der Lee Harvey Oswald kurz nach dem Mord verhört hatte. Er sagte, nur bei einer Frage sei der ansonsten abgebrüht wirkende Oswald unsicher geworden, nämlich bei der, was er einige Monate zuvor in Mexiko-Stadt gemacht habe. Der angesehene amerikanische Kennedy-Forscher Gus Russo, mit dem sich Huismann schließlich als Co-Autor zusammentat, hatte bereits 1998 in seinem Buch „Live by the Sword“ auf die Rolle Mexikos und Kubas hingewiesen. Nun gelingt es den beiden, in Mexiko-Stadt Zeugen aufzutreiben, darunter die Tochter des Literaturnobelpreisträgers Octavio Paz, die gesehen haben, dass Oswald in der Zeit vor dem Attentat Kontakt zu kubanischen Botschaftsangehörigen hatte und Geld von ihnen erhielt.

Der Kronzeuge für die Kuba-These von Huismann und Russo ist ein ehemaliger Offizier des kubanischen Auslandsgeheimdienstes G-2, der bestätigt: Kuba habe Oswald rekrutiert nach dem Motto „Man nimmt, was man bekommt“, denn der habe sich als „Kämpfer“ quasi angeboten. Oscar Marino heißt dieser Offizier. Er gibt, alt und krank wie er ist, dieses Geheimnis preis, auch weil er findet, dass Fidel Castro die Revolution verraten habe.

Daneben belegt der Dokumentarfilm, dass Castro über acht Mordversuche Bescheid wusste, die die Kennedy-Brüder gegen ihn planten – ein Mord war ironischerweise für den gleichen Tag wie das Kennedy-Attentat geplant, den 22. September 1963. Damals schickte die CIA offenbar einen Mitstreiter Castros mit einem Flugzeug los, um den Maximo Lider mit Gift und einer als Kugelschreiber getarnten Pistole zu töten. „Leider war Castro besser als wir“, resümiert ein ehemaliger CIA-Agent in dem Film.

Ein anderer wichtiger Zeuge ist der FBI-Ermittler Lawrence Keenan, der im November 1963 nach Mexiko gereist war, um herauszufinden, was Lee Harvey Oswald dort gemacht und ob er einen Auftrag von den Kubanern bekommen hatte. Die Spuren, auf die er stieß und denen Huismann/Russo nun nachgegangen sind, waren so brisant, dass der neue Präsident Lyndon B. Johnson persönlich den Befehl gab, die Ermittlungen sofort einzustellen. Man wollte auf diese Weise eine Konfrontation mit Kuba und damit einen möglichen Atomkrieg verhindern. Die ARD zeigt den Film unter dem Titel „Rendezvous mit dem Tod“ am 6. Januar um 21 Uhr 45.

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