Befragung von 12- bis 25-Jährigen : Jeder zwölfte ist abhängig von Computerspielen

Nach einer aktuellen Studie ist jeder zwölfte Junge oder junge Mann unter 26 abhängig von Computerspielen. Die Drogenbeauftragte findet das beunruhigend.

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Jung und männlich. Auf diese Klientel üben Computerspiele eine besondere Faszination aus.
Jung und männlich. Auf diese Klientel üben Computerspiele eine besondere Faszination aus.Foto: picture alliance / dpa

In Deutschland ist jeder zwölfte Junge oder junge Mann süchtig nach Computerspielen. Einer aktuellen Studie zufolge, bei der solche Zahlen erstmals erhoben wurden, erfüllen 8,4 Prozent der 12- bis 25-Jährigen die Kriterien für eine Abhängigkeit. Bei den Mädchen und jungen Frauen liegt der Anteil der Computerspielsüchtigen mit 2,9 Prozent deutlich niedriger.

Die Angaben stammen aus einer Forsa-Erhebung mit dem Titel „Game Over“ im Auftrag der Krankenkasse DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen, mit mehr als 1500 Befragten sind sie repräsentativ. Grundlage sind wissenschaftliche Kriterien aus Amerika („Internet Gaming Disorder Scale“). Werden mindestens fünf von neun Standardfragen mit „ja“ beantwortet, gelten die Teilnehmer laut Fragebogen als „computerspielabhängig“.

Im Schnitt fast drei Stunden pro Tag

Der Studie zufolge spielen die männlichen Befragten im Schnitt fast drei Stunden täglich am Computer. Sechs Prozent haben dadurch ihren Angaben zufolge „ernsthafte Probleme mit Familie oder Freunden“. 13 Prozent können das Spielen trotz entsprechender Ratschläge nicht reduzieren. 19 Prozent gerieten durch ihr Spielverhalten bereits mit anderen Menschen in Streit. Und 26 Prozent gaben an, sich unglücklich zu fühlen, wenn sie nicht spielen dürfen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) nannte die Ergebnisse „beunruhigend“ und kündigte Konsequenzen an. Zwar habe längst nicht jeder Spieler ein Problem. Die Studie zeige aber, dass gerade bei den 12- bis 17-jährigen Jungs die Gefahr bestehe, ihren Spielekonsum nicht mehr kontrollieren können. Ihnen bleibe oft kaum noch Zeit für Familie, Freunde oder Aktivitäten im Freien.

Umso wichtiger sei es für Kinder und Jugendliche, einen selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien zu erlernen, sagte Mortler. Dafür werde sie sich – neben verbessertem Jugendschutz und suchtpräventiver Gestaltung von Computerspielen – einsetzen.

Jeder dritte zwischen 15 und 17 nimmt deshalb nicht mehr an gemeinsamen Mahlzeiten teil

Laut Untersuchung vernachlässigen 46 Prozent der Befragten und 69 Prozent der 15- bis 17-Jährigen wegen ihrer Computerspiele soziale Kontakte zu Freunden oder Familienangehörigen, die ihnen früher wichtig waren. 16 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, wegen ihrer virtuellen Beschäftigung nicht mehr an gemeinsamen Mahlzeiten teilzunehmen. Unter den 15- bis 17-Jährigen lag die entsprechende Rate sogar bei 34 Prozent.

Kinder und Jugendliche bedürften eines besonderen Schutzes vor unkontrollierter und exzessiver Nutzung von Computerspielen, sagte Rainer Thomasius, der Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Bei der Altersbewertung von Online-Spielen müssten Kriterien für Spiele, die eine hohe Spielbindung und ein definiertes Suchtpotenzial erwarten ließen, berücksichtigt werden.

Altersfreigaben sollten frühestens ab drei Jahren erfolgen können, forderte der Suchtexperte. Und eine speziell auf Kinder und Jugendliche zielende Werbung für Spiele mit unklarem oder erwiesenem Suchtpotential müsse verboten werden.

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