Politik : "Beginn einer Bewegung"

Ruth Ciesinger

Der Mann scheut keine großen Worte. Jean Ziegler, Schweizer Professor und UN-Sonderberichterstatter vergleicht den Neo-Liberalismus mit Aids; diejenigen, die nicht am "Dschungel-Kapitalismus" teilnehmen, verdamme er "zu unglaublicher Marginalisierung". Unschwer zu erkennen, Ziegler ist Globalisierungsgegner. Am Wochenende diskutiert er neben Gästen wie Daniel Cohn-Bendit, Europa-Abgeordneter der Grünen, dem Psychoanalytiker Horst Eberhardt Richter oder dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine beim Attac-Kongress in Berlin. Zum ersten Mal treffen sich Globalisierungsgegner in dieser Form in Deutschland, um "gemeinsam über die Prinzipien einer anderen Weltordnung zu debattieren".

Zur Konferenz "Eine andere Welt ist möglich" seien gerade nach dem 11. September die Anmeldungen auf jetzt rund 1800 gestiegen, berichtet der Koordinator Philipp Hersel. Er wertet das als ein Zeichen, dass "soziale Verelendung und Desintegration von Gesellschaften ein Nährboden für Fanatiker" sind. Er glaubt, dass während des Kongresses zudem "bessere Antworten auf dieses Problem gefunden werden als amerikanische Bomben". Das klingt latent nach Anti-Amerikanismus, und kann wohl nicht ausbleiben, wenn man sich gegen den Neo-Liberalismus wendet. Während der Vielzahl von Veranstaltungen, die während des Kongresses in der Technischen Universität stattfinden, sind die weltweit angereisten Organisatoren jedoch selbst verantwortlich für ihre Themen.

"Wir wissen, dass diese Vielfalt die politische Stoßkraft schwächt", sagt der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter. "Aber hier beginnt eine neue soziale Bewegung wie in den 80er Jahren die Grünen", in der viele Strömungen gesammelt würden. Attac, die "Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Menschen", hat weltweit rund 55 000 Mitglieder.

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