Behandlungsfehler : Irrtum beim Brustkrebs

Die Zahl medizinischer Behandlungsfehler in Deutschland bleibt hoch. Bei jedem 20. Betroffenen führte der Irrtum zum Tod. Schlichter können im Konfliktfall helfen.

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Berlin - Die absoluten Zahlen klingen niedrig, doch die Dunkelziffer ist riesig. So lässt die neue Statistik der Bundesärztekammer nur einen Schluss zu. Er lautet: Die Zahl medizinischer Behandlungsfehler in Deutschland ist nicht gesunken.

Knapp 11 000 Mal waren die Gutachter- und Schlichtungsstellen der Ärztekammern im vergangenen Jahr gefordert – eine kaum merkliche Steigerung zu 2008. In 29 Prozent der Fälle lag tatsächlich ein Behandlungsfehler vor. Und in jedem vierten Fall resultierte aus der als falsch empfundenen Behandlung auch ein nachweisbarer Gesundheitsschaden. Bei jedem 20. Betroffenen führte er zum Tod.

Die meisten Fehlbehandlungen gab es der Statistik zufolge in Orthopädie und Unfallchirurgie – insbesondere bei Hüft- und Kniegelenkarthrosen sowie bei Brüchen von Arm-, Bein- oder Sprunggelenk. Allerdings komme man hier bei unerwünschten Ergebnissen auch häufiger auf die Idee, dass etwas nicht richtig verlaufen sei, so die Einschränkung von Johann Neu, dem Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen bei den norddeutschen Ärztekammern. In der Arzneitherapie dagegen fielen Behandlungsfehler weniger auf, hier sei die Dunkelziffer wohl deutlich höher.

Am häufigsten beanstandet wurden Operationsergebnisse, am zweiter Stelle stehen Fehler in der Diagnostik. So wurden etwa Röntgenbilder nicht angefertigt oder falsch ausgewertet. Bei den niedergelassenen Medizinern rangieren Fehler von Hausärzten ganz oben – übertroffen nur noch von den bereits erwähnten Unfallchirurgen und Orthopäden. Bei Allgemeinmedizinern lautet der Hauptvorwurf, zu lange auf einer irrigen Diagnose beharrt und mit der Überweisung zu einem Spezialisten gewartet zu haben. Die Patientengruppe, bei der Praxisärzten am häufigsten nachgewiesene Fehler unterliefen, waren Frauen mit Brustkrebs.

Besonderes Augenmerk legen die Ärztekammern inzwischen auf die Intensivmedizin, wo falsch verabreichte oder dosierte Medikamente lebensgefährliche Folgen haben können. Hier müsse man die Sicherheit dringend verbessern, forderte Walter Schaffartzik, ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin – etwa durch farblich codierte Arzneimittel oder mehr elektronische Krankenakten. EDV-Lösungen könnten nicht nur schwer lesbare Handschrift-Krakeleien ersetzen, mit ihnen ließen sich bei der Arzneigabe auch automatisch Kontraindikationen und Gefahrenpotenziale über die Hersteller abklopfen. Allerdings scheitere bei der nötigen EDV-Ausstattung der Kliniken bislang vieles am fehlenden Geld.

Im Umgang mit Fehlern hätten die Ärzte aber dazugelernt, versicherte Schaffartzik, inzwischen suchten viele das Gespräch mit Geschädigten. Auch die Gutachter- und Schlichterstellen erfreuten sich hoher Akzeptanz, berichtete ihr Konferenz-Vorsitzender Andreas Crusius. Die Patienten hätten dort die Gewähr unabhängiger und kostenfreier Überprüfung. Und in neun von zehn Fällen akzeptierten beide Seiten die Entscheidungen.

www.gutachter-und-schlichtungsstellen.de

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