• Behörden in Kabul rechnen mit weiteren Attentaten Auch die deutsche Botschaft hat Sicherheitsvorkehrungen erhöht

Politik : Behörden in Kabul rechnen mit weiteren Attentaten Auch die deutsche Botschaft hat Sicherheitsvorkehrungen erhöht

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Berlin. Nach dem bisher schwersten Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt seit dem Sturz der Taliban ist in Kabul am Donnerstag Panik ausgebrochen. Tausende Menschen flohen aus dem Stadtviertel, in dem am Nachmittag offenbar eine Autobombe explodiert war. Über die Anzahl der Opfer gab es unterschiedliche Angaben. Zahlreiche Verletzte irrten unmittelbar nach der Explosion in der Nähe des Tatortes umher, viele blutüberströmt und mit zerrissener Kleidung. Von den Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf wurde nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums niemand verletzt.

Nach Erkenntnissen der Polizei war der Sprengsatz in einem Taxi versteckt, das völlig zerstört wurde. Es war vor dem Informations- und Kulturministerium in einer Marktstraße geparkt. Nach offiziellen afghanischen Angaben hatten die Attentäter zunächst eine kleinere Bombe an einem Fahrrad gezündet, um eine Menschenmenge anzulocken.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Kabul waren in den vergangenen Tagen bereits erhöht worden, weil die Behörden zum Jahrestag der Terroranschläge in den USA mit neuer Gewalt rechneten. Besonders die Ministerien sowie die amerikanische und die deutsche Botschaft wurden seither schärfer bewacht. Nach Tagesspiegel-Informationen ist die deutsche Botschaft bereits seit Mittwoch für Besucher geschlossen. Alle afghanischen Mitarbeiter wurden vom Dienst freigestellt. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte dies zunächst nicht bestätigen.

Der Oberbefehlshaber der Isaf-Schutztruppe, der türkische General Akin Zorlu, vermutet hinter dem Anschlag versprengte Taliban- oder Al-Qaida-Kämpfer. Wem der Anschlag genau galt, blieb zunächst unklar, ebenso wie die Hintergründe des fehlgeschlagenen Attentats auf Präsident Hamid Karsai in Kandahar. Nach Ansicht von Sicherheitsexperten sind Taliban und Al Qaida dabei, sich in Afghanistan neu zu organisieren. Auch über ein mögliches Bündnis der Extremisten mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten und Kriegsherren Gulbuddin Hekmatjar wird spekuliert.

In den vergangenen Wochen ereigneten sich in Kabul mehrere Explosionen. In der Nähe des Tatorts vom Donnerstag war erst Anfang August eine Bombe hochgegangen. Die Ermittlungen von Polizei und der Isaf-Schutztruppe brachten bisher aber keine Hinweise auf die Täter. Ein mutmaßlicher Attentäter, der Ende Juli verhaftet wurde, gab sich nach Angaben des afghanischen Geheimdienstes als Al-Qaida-Mitglied zu erkennen. Im Auto des Mannes war Sprengstoff entdeckt worden. Nach Angaben der Behörden soll er gestanden haben, ein Attentat auf Karsai geplant zu haben.

Beobachter haben in der Vergangenheit indes immer wieder auch Machtkämpfe innerhalb der Regierung für die zunehmende Gewalt in Kabul verantwortlich gemacht. Verteidigungsminister Mohammed Fahim, Außenminister Abdullah Abdullah und der frühere Innenminister Juni Kanuni sollen dabei eine Rolle spielen. Ulrike Scheffer

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