Politik : "Behüte uns vor falscher Routine"

Imke Zimmermann

Verhangener Himmel, Nieselregen, eisiger Wind. "Bei dem Wetter fällt der Abschied nicht so schwer", sagte General Carl Hubertus von Butler am Sonntag auf dem Kasernenhof der Luftlandebrigade 31. Dann wurde der Kommandeur der Brigade und Befehlshaber der deutschen UN-Schutztruppe in Afghanistan wieder ernst. Schließlich setzten sich an diesem Tag die ersten 50 Soldaten des Vorauskommandos in Oldenburg in Marsch.

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Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Neben den Fallschirmjägern aus Oldenburg und weiteren Stützpunkten in Varel und Wildeshausen würden unter anderem auch Fernmelder aus Regensburg sowie Sanitäter zum Militärstützpunkt Köln-Wahn verlegt, hatte zuvor Oberstleutnant Dietmar Jeserich erläutert, der das deutsche Kontingent als Sprecher begleitet. Nach dem Marschbefehl würden die insgesamt 70 Soldaten sowie Material und persönliches Gepäck mit einer Antonov 124 und einer DC 10 nach Kabul geflogen.

Jeserich zufolge soll das Bundeswehr-Vorauskommando nach bisheriger Planung aus insgesamt 230 Soldaten bestehen. Dazu gehören auch 30 niederländische Fallschirmjäger, eine Gruppe dänischer Kampfmittelräumer sowie ein zweiköpfiges österreichisches Verbindungskommando. Das Gesamtkontingent solle 770 Mann umfassen.

Die Truppen sollen die Sicherheit in und um Kabul, der Übergangsregierung und der Hilfsorganisationen gewährleisten. Ihre Ausrüstung besteht unter anderem aus besonders gegen Minen geschützten Fahrzeugen vom Typ "Dingo". Die Soldaten könnten nicht besser vorbereitet und ausgerüstet sein, sagte von Butler. Jeder Einsatz berge Risiken. "Für mich ist die größte Gefahr die Minen-Situation." Doch man habe "drei entscheidende Dinge im Gepäck: Vorsicht, Umsicht und Entschlossenheit".

Vor der Abreise der 50 Fallschirmjäger mit einem zivilen Bus sprachen ein evangelischer und ein katholischer Militärseelsorger zu den Männern. "Behüte uns vor falscher Routine, falscher Nachlässigkeit", hieß es in dem Gebet. "Lass uns dazu beitragen, dass die Menschen in Afghanistan wieder in Frieden leben können, dass das Land eine stabile Regierung hat und die Menschenrechte gewahrt werden."

Die Soldaten wirkten vor dem Abmarsch gefasst. Er wie auch seine Ehefrau sähen dem Einsatz mit einer "gewissen Gelassenheit" entgegen, sagte Uwe Rabe, seit 20 Jahren Berufssoldat. Hinsichtlich der Lebenssituation in Afghanistan erwarte er "ähnliche Verhältnisse wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg", sagte der 41-Jährige, für den die Beteiligung an der UN-Schutztruppe der erste Auslandseinsatz ist. Auch Oliver Franke beschäftigten zunächst Alltagssorgen: "Zum Beispiel, was Essen und Trinken betrifft." Gedanken um mögliche Gefahren mache er sich nicht so sehr, sagte der 25-Jährige.

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