Politik : Bei den Grünen schlägt die Stunde der Seelenmasseure (Kommentar)

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Sind die Grünen noch zu retten? Es spricht für den Ernst der Lage, dass die eigenen Leute immer öfter die Frage nach dem Überleben der Partei aufwerfen. Nicht nur, dass die Serie der Wahlniederlagen nicht verkraftet ist. Es fehlt auch das schlüssige Konzept, um nach oben zu kommen. Dass die Grünen im Osten völlig in die Bedeutungslosigkeit abstürzten, ist dabei symptomatisch: Die hoffnungsvolle westdeutsche Erfolgsstory aus den 80er Jahren passte immer weniger zur Lösung der Probleme im wiedervereinigten Deutschland. Die auf Konsens bedachte Republik versperrt sich einer Reformpartei. Die wiederum vergrätzt im Spagat zwischen Anspruch und Regierungspartei zunächst einmal alle: Die einen empfinden den vor eineinhalb Jahren angedrohten Benzinpreis von fünf Mark als blanken Horror, die anderen lachen über die durchgesetzte Steigerung von sechs Pfennig pro Liter. All das können die Grünen sortieren, wenn sie sich jetzt am Wochenende in Magdeburg auf ihrem Länderrat treffen - in genau der Stadt, in der sie vor eineinhalb Jahren den unseligen Fünf-Mark-Beschluss fassten. An Ideen zur Lösung der Probleme mangelt es nicht. Die einen reden von der neuen Struktur, bloß nicht zu radikal. Die anderen wollen neue Themen, ohne die alte Klientel zu verschrecken. Die Dritten wollen Volkspartei sein und am liebsten sowohl mit CDU wie PDS koalieren können. Weil das zusammen nicht geht, werden alle nur kräftig die Seelen massieren.

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