Politik : Bei Direktwahl würde Schröder gewinnen

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Für das Politbarometer-Flash des ZDF wurden in der Zeit vom 10. bis 13. Juni in Deutschland 1018 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch interviewt.

Auch 100 Tage vor der Bundestagwahl geht es für die Sozialdemokraten in der politischen Stimmung praktisch nicht bergauf. Bei der Leistungsbeurteilung schafft die Bundesregierung aber erstmals seit Jahresbeginn wieder den Schritt aus dem negativen Bereich, auch wenn die Regierungstätigkeit von SPD und Grünen nur durchschnittlich bewertet wird. Beim Ausloten der Erfolgsaussichten von Regierung und Opposition bei der anstehenden Bundestagswahl sind die Wahlberechtigten gut drei Monate vor der Abstimmung geteilter Meinung, wer am 22. September die vermeintlich besseren Karten besitzt: Mit 40 Prozent vermuten wieder mehr Menschen den Vorteil eher bei den amtierenden Regierungsparteien, nur noch 42 Prozent sehen die Opposition aus Union und FDP besser positioniert.

Ein Patt entsteht bei der Frage, ob – abgesehen von der Leistungsbeurteilung des Bundeskabinetts – ein Regierungswechsel an der Zeit sei: 46 Prozent plädieren dafür, dass zukünftig andere Parteien die Geschicke des Landes bestimmen sollten, 47 Prozent fordern – zumindest was die Regierungsparteien betrifft – Kontinuität statt Wandel. Ganz anders vor vier Jahren: 100 Tage vor der letzten Bundestagswahl war die Wechselstimmung in der Bevölkerung sehr viel stärker ausgeprägt, 72 Prozent der Deutschen hielten im Juni 1998 die Zeit reif für eine neue Regierung. Weiterhin optiert die relative Mehrheit der Befragten für eine schwarz-gelbe Koalition, falls – wie zu erwarten ist – keine Partei im nächsten Parlament eine eigenständige Regierungsmehrheit zustande bringt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder kann seinen Vorsprung bei der Kanzlerfrage weiter ausbauen. Bei der Frage nach dem bevorzugten Regierungschef nennen 52 Prozent der Interviewten Gerhard Schröder, 38 Prozent geben dagegen Edmund Stoiber den Vorzug – der bisher schlechteste Wert für den bayerischen Ministerpräsidenten seit Anfang Februar. Ein Grund für diese Entwicklung ist der für den Unions-Kandidaten rückläufige Zuspruch im Osten der Republik, aber auch die sinkende Unterstützung in den eigenen Reihen.

Guido Westerwelle contra Jürgen Möllemann: In der FDP, so eine Mehrheit der wahlberechtigten Deutschen, hält der Parteivorsitzende die Fäden in der Hand: 54 Prozent attestieren Westerwelle nach seinem ultimativen Machtwort in Sachen Karsli und dem anvisierten „Schlussstrich“ in der Kontroverse mit dem Zentralrat der Juden den größeren Einfluss in der eigenen Partei. Allerdings sehen 31 Prozent der Befragten im internen Machtgefüge den FDP-Vorsitzenden nur hinter seinem Vize platziert und schreiben Möllemann mehr Macht und Einfluss zu. 26 Prozent der Bundesbürger vertreten den Standpunkt, die FDP orientiere sich zurzeit stärker nach rechts, 60 Prozent glauben nicht an einen Rechtsruck bei den Liberalen. Die FDP insgesamt ist in der öffentlichen Meinung aller Bundesbürger dagegen innerhalb nur eines Monats stark gefallen – allerdings nicht bei den eigenen Anhängern.

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