Bei Kämpfen im Jemen : Al Qaida befreit 300 Häftlinge aus Gefängnis

Kämpfer der Islamistengruppe Al Qaida auf der arabischen Halbinsel (Aqap) haben das Chaos im Jemen genutzt und 300 Häftlinge befreit. Die Houthi-Miliz und ihre Verbündeten stießen weit in die südliche Hafenstadt Aden vor. Bei Gefechten wurden dort mindestens 44 Menschen getötet.

Kämpfer, die mit den Houthi-Rebellen sympathisieren, demonstrieren am Donnerstag in der Hauptstadt Sanaa ihre Stärke.
Kämpfer, die mit den Houthi-Rebellen sympathisieren, demonstrieren am Donnerstag in der Hauptstadt Sanaa ihre Stärke.Foto: AFP

Unter den Geflohenen sei auch einer der Anführer der Organisation, Chaled Batarfi, verlautete aus Sicherheitskreisen in der Hauptstadt Sanaa. Batarfi war vier Jahre in dem Gefängnis in Mukalla in der Provinz Hadramut inhaftiert.

Die Houthi-Rebellen versuchen, immer weiter vorzurücken

Nach dem Angriff im Morgengrauen wurden den Angaben zufolge bei Gefechten zwei Gefängnisaufseher und fünf Häftlinge getötet. Die Aqap-Kämpfer griffen auch das Gebäude der Provinzregierung, die Filiale der Zentralbank, das Polizeikommissariat und Einrichtungen der Geheimdienste an. Sie nahmen außerdem den Sitz des örtlichen
Radiosenders ein und unterbrachen die laufenden Sendungen. Aqap ist im Süden und Südosten des Jemen gut verankert, insbesondere in der Provinz Hadramut.

Heftige Kämpfe toben fast im gesamten Land.
Heftige Kämpfe toben fast im gesamten Land.Grafik: Ulla Schilli

Um die Kontrolle der südlichen Hafenstadt Aden lieferten sich Anhänger und Gegner des Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi heftige Gefechte. Die Houthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Soldaten, die zum ehemaligen Staatschef Ali Abdallah Saleh stehen, versuchten Augenzeugen zufolge auf den Präsidentensitz im Stadtteil Crater vorzurücken. Das Viertel Chor Maksar, in dem sich mehrere ausländische Konsulate sowie Büros der Vereinten Nationen und von Nichtregierungsorganisationen befinden, kontrollieren sie bereits.

Offenbar gingen Soldaten unbekannter Nationalität in Aden an Land

Sogenannte Volkskomitees - Paramilitärs, die Hadi unterstützen - stellten sich den Rebellen und ihren Verbündeten entgegen. Ein Sprecher der Volkskomitees sagte der Nachrichtenagentur AFP, hunderte Kämpfer aus der Nachbarprovinz Abjan kämen den Komitees zu Hilfe. Nach Angaben eines Militärvertreters wurden dabei 20 Huthi-Rebellen getötet. Rettungskräften zufolge wurden zudem 18 Zivilisten und sechs Mitglieder der präsidententreuen Volkskomitees getötet.

Wenige Stunden später wurden im Hafen mehrere Dutzend Soldaten unbekannter Nationalität von einem Schiff an Land gebracht. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz, die mit Luftangriffen den Vormarsch der Houthi-Rebellen zu stoppen versucht, kontrolliert nach eigener Darstellung die Gewässer rund um Aden. Die Rumpfregierung des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi konnte jedoch noch nicht sagen, ob dies der Beginn der von ihr geforderten Bodenoffensive gegen die Rebellen war. "Ich hoffe es", sagte Außenminister Rejad Jassin Abdulla, "ich hoffe es sehr."

Jemens Regierung bittet die Bevölkerung um Hilfe

Riad Jassin, der wie Präsident Hadi nach Saudi-Arabien floh, rief die Bevölkerung zur "Unterstützung der Volkskomitees" auf. In dem mit saudiarabischem Kapital finanzierten Fernsehsender Al-Arabija sagte Jassin, die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz hätten "die Houthis und die Saleh-Einheiten geschwächt". Es werde ihnen nicht gelingen, Aden einzunehmen.

Der aus Abjan stammende Hadi hatte sich im Februar in Aden niedergelassen, nachdem die Huthis die Hauptstadt Sanaa eingenommen hatten. Am 26. März setzte sich Hadi in die saudiarabische Hauptstadt Riad ab. Am selben Tag startete die arabische Militärallianz ihre täglichen Luftangriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Houthi-Rebellen.

Riad gab unterdessen das erste saudiarabische Todesopfer seit Beginn der Offensive bekannt. Am Mittwochabend seien Stellungen der saudiarabischen Grenzsoldaten in Al-Hasn in der südlichen Provinz Assyr von einem Berggebiet im Jemen aus beschossen worden, teilte das Innenministerium mit. Dabei seien ein Unteroffizier getötet und zehn Soldaten verletzt worden.

General ruft Soldaten auf, Waffen niederzulegen

Ebenfalls am Mittwoch rief ein mit den Houthis verbündeter jemenitischer Panzergeneral nach Armeeangaben seine Soldaten angesichts der anhaltenden Luftangriffe auf, die Waffen niederzulegen. Daraufhin hätten die Soldaten in der südlichen Provinz Dhaleh angefangen zu desertieren. Die Houthis hätten sie verfolgt und mindestens 40 Soldaten getötet, die sich geweigert hätten, ihre persönlichen Waffen abzugeben. Die getöteten Soldaten stammten den Angaben zufolge aus westlichen Provinzen. Deren Einwohner seien den Houthis "feindlich gesinnt".

Russland fliegt 150 Bürger aus

Wegen der Kämpfe im Jemen fliegt Russland etwa 150 Bürger aus dem südarabischen Land aus. Zwei Transportflugzeuge sollten noch am Donnerstag in der Hauptstadt Sanaa landen, teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. Russland appellierte mit Nachdruck an Saudi-Arabien, die Aktion zu unterstützen. Die Maschinen hätten bereits am Vortag landen sollen. Allerdings habe die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz, die im Jemen Luftangriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen fliegt, dies untersagt, hieß es. Russland evakuierte auch sein Generalkonsulat in Aden. Das Gebäude wurde Medien zufolge von Rebellen geplündert.

Yemens Airline stellt Betrieb ein

Wegen der aktuellen Angriffe von Saudi-Arabien auf die Houthi-Rebellen hat jetzt die Fluggesellschaft Yemenia - Yemen Airways ihren Betrieb eingestellt. Das teilte die Airline auf ihrer Webseite mit. Für den Jemen gilt ohnehin schon länger eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.  AFP/rtr/dpa

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