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Bei Kandidatur in Berlin : Nahles sagt Künast den Kampf an

Sollte Renate Künast für die Grünen gegen Klaus Wowereit antreten, muss sie mit einem harten Wahlkampf rechnen, kündigt SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles an. Wowereit zeigt sich derweil unbeeindruckt.

von , und Stephan Haselberger
Andrea Nahles kündigt einen Wahlkampf mit harten Bandagen an.
Andrea Nahles kündigt einen Wahlkampf mit harten Bandagen an.Foto: dpa

Die Bundes-SPD hat einen harten Wahlkampf gegen die Berliner Grünen angekündigt, sollte die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, bei der Berlin-Wahl im Herbst kommenden Jahres wie erwartet für das Amt des Regierenden Bürgermeisters kandidieren. „Dann wäre Frau Künast eine Konkurrentin, mit der wir in einen harten Wettstreit treten werden“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

Nahles warf den Grünen vor, sie wollten der SPD den Status als Volkspartei absprechen, selbst aber keine Verantwortung für die gesamte Bevölkerung übernehmen. „Dieses Spiel ist leicht zu durchschauen: Sie wollen numerisch stark werden, ohne sich die Mühe zu machen, Kompromisse zwischen den Interessen unterschiedlicher Milieus zu schmieden.“ Wer in Berlin ins Rote Rathaus einziehen wolle, müsse aber Lösungen für die ganze Stadt und alle ihre Einwohner bieten. „Da kneifen die Grünen. Überzeugend ist das nicht“.

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage liegt die SPD des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit mit 26 Prozent erstmals um einen Prozentpunkt hinter den Berliner Grünen zurück. Nahles kritisierte mit Blick auf die politische Stimmung „das Gemeckere und Gemosere“ in der Stadt. Angesichts der enormen Beliebtheit Berlins könne man sich darüber „nur wundern“. Mit Wowereit sei „Berlin die coolste Stadt der Welt geworden.“

Unterdessen verdichten sich die Hinweise darauf, dass Künast sich bereits für eine Kandidatur gegen Wowereit entschieden hat. Als starkes Indiz wird in Parteikreisen die Entscheidung gewertet, die Werbeagentur „Zum goldenen Hirschen“ mit dem Berlin-Wahlkampf zu betrauen. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Künast ihren Einfluss geltend gemacht, um die Agentur im Landesverband durchzusetzen. „Zum Goldenen Hirschen“ war für die Kampagnen der Grünen in den Bundestagswahlkämpfen 2002, 2005 und 2009 sowie zur Europawahl 2009 verantwortlich. Einer der Geschäftsführer des Unternehmens ist der frühere Vizesprecher der rot-grünen Bundesregierung, Hans Langguth.

Öffentlich will sich Künast weiterhin nicht festlegen. Bis zum Ende des Jahres werde sie ihre Entscheidung bekanntgeben, lautet die offizielle Linie. Intern stellt Künast aber längst die Weichen für ihre Kandidatur. So hält ihr Umfeld nach Tagesspiegel-Informationen derzeit bundesweit Ausschau nach einem erfahrenen Wahlkampfmanager.

Auch die parteiinterne Dramaturgie ist auf Künast zugeschnitten. Am 18. September wird sie auf einer Programmkonferenz der Berliner Grünen erwartet. Auf der Tagung werden landespolitische Fragen wie Stadtentwicklung oder der Aufbau kommunaler Stadtwerke debattiert. Am 6. November kommen die Hauptstadt-Grünen dann zu ihrem Landesparteitag zusammen, wo Künast ihre Kandidatur erklären könnte. Zwei Wochen später tagt schließlich der Grünen-Bundesparteitag in Freiburg, wo Dieter Salomon vor acht Jahren zum ersten grünen Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt wurde.

Der Regierende Bürgermeister Wowereit gibt sich unbeeindruckt von Künasts Ambitionen. Er freue sich auf einen spannenden Wahlkampf mit der Grünen-Politikerin sagte er kürzlich und setzte hinzu: „In Berlin ist auch Rot-Grün denkbar.“ Die Berliner SPD-Basis reagiert hingegen zunehmend nervös auf die guten Umfragewerte der Grünen. Es fehle ein rundes Konzept, um die Wähler bei der Abgeordnetenhauswahl in einem Jahr zu überzeugen, heißt es unter anderem.

Das ausführliche Interview mit Andrea Nahles lesen Sie am Sonntag in der gedruckten Ausgabe des Tagesspiegel.

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