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Bei Pegida fliegen die Fetzen : Festerling: "Bachmann verhält sich exakt so wie Merkel"

Krach bei Pegida - der Verein will seine bisherige Frontfrau Tatjana Festerling loswerden. Die bezichtigt Anführer Lutz Bachmann der Lüge.

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Pegida-Anführer Lutz Bachmann und Tatjana Festerling bei einer Kundgebung im November in Dresden. Nun gehen beide getrennte Wege.
Pegida-Anführer Lutz Bachmann und Tatjana Festerling bei einer Kundgebung im November in Dresden. Nun gehen beide getrennte Wege.Foto: Arno Burgi/dpa

Es war am Pfingstmontag – Tatjana Festerling, bisher Frontfrau von Pegida, trat unter neuem "Label" auf. "Festung Europa" nannte sie ihre Kundgebung am Goldenen Reiter in Dresden. Und einer der Anhänger hielt ein Transparent in die Höhe: "Tatjana gehört zu Pegida und zum Orga". Als ob das nicht selbstverständlich wäre. War es offenbar aber schon damals nicht.

Jetzt ist der Bruch offiziell - und der Streit wird mit äußerster Heftigkeit ausgefochten. Am Mittwochabend erklärte Pegida auf Facebook, Festerling habe das Orgateam verlassen und solle bei der nächsten Sitzung wegen "vereinsschädigendem Verhalten" aus dem Pegida-Förderverein ausgeschlossen werden. Sie habe sich nicht an Absprachen gehalten und das Vertrauensverhältnis im Orga-Team gestört. Pegida erklärte: "Wir gehen getrennte Wege, jedoch eint uns alle das gleiche Ziel. Das sollte darüber nicht in Vergessenheit geraten."

Bachmann fügte an, Festerling habe sich der aus seiner Sicht "wichtigen, engeren Zusammenarbeit mit der AfD" entgegengestellt und diese als Anbiederung kritisiert: "Dies wirft für mich die Frage auf, ob hier patriotische Kräfte vorsätzlich gespalten werden sollen."

"Bachmann verlangt Kadavergehorsam"

Ungefähr 16 Stunden brauchte Festerling für ihre Antwort. In einer ausführlichen Erklärung, ebenfalls via Facebook verbreitet, bezichtigt die ehemalige Frontfrau Anführer Lutz Bachmann in sieben Punkten der Lüge. Schon im April sei ihr Redeverbot erteilt und der Ausschluss aus dem Pegida-Förderverein beschlossen worden, erklärte sie.

Sie attackierte den Pegida-Anführer persönlich: "Die gesamte Erklärung strotzt vor diktatorischen, geradezu totalitären Vorgaben und Verhaltensregeln", die von Bachmann nach Lust und Laune situativ festgelegt würden. Dann holte sie aus zum aus Wutbürger-Perspektive denkbar schärfstem Vorwurf. "Damit verhält sich ein Lutz Bachmann exakt so wie Merkel." Die übrigen Orga-Mitglieder würden "wie Merkels Erfüllungsgehilfen" abnicken, was die Führung diktiert. "Offene, demokratische Prozesse und Entscheidungsfindungen lässt das Orga-Team nicht zu."

Festerling schrieb weiter: "Wer selber in die Öffentlichkeit mit Lügen und Unterstellungen geht, wer eine erfolgreiche Bürgerbewegung gezielt und mit fadenscheinigen Gründen schwächt, sollte sich sehr, sehr selbstkritisch fragen, wer der Bewegung Schaden zufügt und das Vertrauen der Menschen auf dem Platz missbraucht." Bachmann erwarte "Unterwerfung" und "Kadavergehorsam". Jeder, der bei ihm in Ungnade falle, "wird von ihm mit dem Stigma des Verfassungsschutzes gebrandmarkt. Möglicherweise um von sich selber abzulenken?"

Angedeutet hatte sich der Eklat schon vor einigen Tagen. Via Facebook verbreitete der niederländische Rechtspopulist Edwin Wagensveld, der mehrfach als Redner bei der fremdenfeindlichen Bewegung aufgetreten ist, dass Festerling aus dem Pegida-Verein ausgeschlossen werden solle - und machte damit öffentlich, was bisher nur ein Gerücht war. Der Festerling-Vertraute – bekannt als "Ed, der Holländer" – schrieb: "Erst wird Tatjana am 18. April von der Bühne gejagt und bekommt ein Redeverbot mit den Worten ,Du hast deine Rede nicht eingereicht und wir wollen nicht, dass du über Bilderberg sprichst.’" Dann habe es die Information gegeben: "Wir haben einen Beschluss gefasst, dich wegen Pegida-Schädigung aus dem Verein auszuschließen."

Wagensveld warf den Festerling-Gegnern vor, sie wollten die Frontfrau mit einer "Tirade aus Lügen, Unterstellungen und Verleumdungen" als "spaltende Selbstdarstellerin" fertigmachen.

Bei Legida in Leipzig darf Festerling noch auftreten

Festerling teilte den Beitrag auf Facebook, stellte ihn auch auf ihre eigene Internetseite, kommentierte ihn aber zunächst selbst nicht. Bachmann aber bekam auf Facebook Fragen gestellt: "Lutz, was ist dran was Ed schreibt dass Du Pegida spaltest?" Der antwortete: "So ein Unfug!" Und fügte hinzu: "Wer spaltet denn und die Frage ist, in wessen Auftrag? Wer öffentlich Schmutzwäsche wäscht, der tut das im Auftrag oder für’s Ego. Wir tun es nicht."

Pegida-Vorstand Siegfried Däbritz, wichtigster Mitstreiter von Bachmann, ergänzte: "Wir waschen, im Gegensatz zu anderen, keine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit. Wer sich dem Personenkult um Tatjana anschließen will, kann das gern tun." Ironisch fügte er hinzu: "Sie wird alles viel besser machen, da bin ich mir sicher." Den Kindergarten spiele er nicht mit, schrieb Däbritz weiter. "Narzissmus ist gefährlich."

Es ging also nicht nur darum, ob es richtig war, gegen die Bilderberg- Konferenz in Dresden zu demonstrieren. Festerling, die im vergangenen Jahr in der Landeshauptstadt Oberbürgermeisterkandidatin von Pegida war, tat dies, obwohl Bachmann es nicht wollte. Auf der Pegida-Kundgebung am vergangenen Montag erklärte Bachmann, dass es "komplett sinnfrei" sei, mit Pappschildern vor das Dresdner Hotel Taschenberg zu ziehen, während darin Eliten aus Politik und Wirtschaft hinter verschlossenen Türen tagten.

Bei Pegida war Festerling zuletzt im April als Rednerin aufgetreten. Gastrecht genießt sie noch beim Leipziger Ableger Legida, wo sie zuletzt am 6. Juni auf der Bühne stand und auch am 4. Juli gemeinsam mit Wagensveld sprechen will.

Nach dem Bruch im Pegida-Organisationsteam Anfang 2015, als sich Frontfrau Kathrin Oertel und Mitgründer René Jahn verabschiedeten, gibt es nun also die zweite Spaltung in der Führung. Von der ersten konnte sich Pegida noch erholen. Ob die Anti-Islam-Bewegung, deren Teilnehmerzahlen bei den montäglichen "Spaziergängen" zuletzt deutlich zurückgingen, die neue Krise übersteht, ist offen.

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