Politik : „Beide Seiten sind nervös“

Kfor-Kommandeur General Roland Kather über die Situation von Serben und Albanern im Kosovo

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Der UN-Sicherheitsrat hat am Dienstag seine Beratungen über den künftigen Status des Kosovo aufgenommen. Wie ist die Stimmung im Land?

Die Lage ist nach wie vor ruhig, aber nicht stabil und unvorhersehbar. Man spürt deutlich, dass die Nervosität auf beiden Seiten erhöht ist. Das verwundert auch nicht, in New York wird eine Richtungsentscheidung zur Zukunft des Kosovo diskutiert. Da ist es verständlich, dass man angespannt auf die UN blickt. Das tun wir von Kfor, und die Menschen im Lande auch.

Wer ist nervöser, die serbische Minderheit oder die albanische Mehrheit?

Ich habe mit beiden Seiten gesprochen, und die Erwartungshaltungen sind sehr unterschiedlich. Die Kosovo-Albaner wollen, dass die vom UN–Sondergesandten Martti Ahtisaari vorgeschlagene überwachte Unabhängigkeit nun umgesetzt wird. Die serbische Minderheit hofft, dass der Plan weiter verhandelt wird. Ich werde oft gefragt, wie ich dazu stehe.

Was antworten Sie?

Ich sage, dass die Nato natürlich den Ahtisaari-Vorschlag unterstützt. Das ist eine politische Entscheidung. An meinem Auftrag ändert das aber nichts. Ich werde jetzt und in Zukunft für alle Menschen des Kosovo da sein. Ich mache gerade gegenüber den Serben immer wieder deutlich, dass ich ohne Abstriche auch für ihre Sicherheit verantwortlich bin.

Fühlt sich die serbische Minderheit durch die Anwesenheit der Kfor sicher?

Mir wird zumindest immer bestätigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Kfor und den Serben gut funktioniert. Wenn allerdings internationale Besucher kommend, ändert sich bisweilen die Wahrnehmung: Dann ist plötzlich von Sorgen und Zukunftsängsten die Rede. Das ergibt dann ein verzerrtes Bild.

Vergangenen Freitag gab es einen Anschlag auf das Kloster in Decani …

Das ist höchst bedauerlich. Wer oder was hinter dem Zwischenfall steckt, wird derzeit noch kriminaltechnisch untersucht. Wir müssen das Ergebnis abwarten.

Wenn es nach den Plänen von Ahtisaari geht, soll künftig die EU für die Entwicklung und Implementierung von demokratischen Strukturen im Land verantwortlich sein. Wie ist die Kfor involviert?

Wir arbeiten eng mit der EU-Planungsgruppe und der Internationalen Zivilen Organisation zusammen. Die Herausforderung dabei ist, dass wir im Augenblick in eine Zukunft hineinplanen, wo wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Zuerst muss die politische Entscheidung fallen.

Womit befasst sich die Kfor derzeit konkret?

Uns beschäftigt zum Beispiel die Frage, wie die Grenzsicherung in Zukunft aussehen wird. Ein Aspekt betrifft die noch vorhandene Verwaltungsgrenze zwischen Kosovo und Serbien. Wir müssen klären, wer die Sicherung übernimmt, wer neben dem Zoll für die polizeilichen Aufgaben zuständig sein wird. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man eine Grenze mit einem souveränen Staat wie Mazedonien oder Albanien hat oder eine Verwaltungsgrenze wie mit Serbien. Da steckt der Teufel im Detail.

Das Gespräch führte Sarah Kramer.

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