Beitritt : Albanien beantragt Aufnahme in die EU

Albanien hat sich offiziell um die Mitgliedschaft in der Europäischen Union beworben.

BrüsselDer albanische Ministerpräsident Sali Berisha hat den Antrag auf Mitgliedschaft bei dem derzeitigen EU-Ratsvorsitzenden, Tschechiens Ministerpräsident Mirek Topolanek, eingereicht. "Das ist ein historischer Moment für mein Land", so Berisha. Sein Land sei leidenschaftlich pro Europa. Die EU-Kommission begrüßte die Bewerbung, Topolanek betonte allerdings, dass vor Albanien noch ein langer Weg liege.

Albanien ist eines der ärmsten Länder Europas. Die Kommission hatte mehrfach vor allem Korruption und die Organisierte Kriminalität im Land kritisiert. Der Balkanstaat habe zwar Fortschritte bei entscheidenden politischen Reformen gemacht, müsse allerdings noch die Rechtsstaatlichkeit verbessern, erklärt der Generaldirektor für Erweiterung, Michael Leigh. Der freie und faire Charakter der Ende Juni stattfindenden Parlamentswahl sei eine wichtige Voraussetzung für die weitere Annäherung Albaniens an die EU. Als nächsten Schritt muss nun die Kommission auf Antrag der 27 EU-Außenminister einen Bericht erstellen, der als Grundlage für die Beitrittsverhandlungen dient.

Albanien war am 1. April in die NATO aufgenommen worden und ist seit 2006 mit der EU über ein Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen verbunden. Mindestens jeder vierte der 3,4 Millionen Einwohner lebt unter dem Existenzminimum, das monatliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei wenig mehr als 200 Euro. Damit zählt der Balkan-Staat zu den ärmsten Ländern Europas.

Derzeit wollen Kroatien, die Türkei und Mazedonien ebenfalls in die EU. Der Streit zwischen dem EU-Land Slowenien und dem Beitrittskandidaten Kroatien hatte die Befürchtung ausgelöst, die Balkan-Länder könnten Konflikte in die EU tragen. Dabei soll deren Aufnahme dazu dienen, den Frieden auf dem westlichen Balkan zu stabilisieren. Hierbei komme auch Albanien eine "stabilisierende Rolle" zu, gerade in der Krisenregion des Kosovo, das mehrheitlich von Albanern bewohnt und von Serbien als Teil des eigenen Staatsgebietes betrachtet wird, heißt es in der Kommission.

Die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die EU wird nicht nur positiv gesehen. Einige Länder befürchten, dass eine steigende Zahl an Mitgliedern die Arbeit der EU immer schwerfälliger macht. Das ist auch der Grund, warum es eine gemeinsame Europäische Verfassung geben soll. Doch der Ratifiierungsprozess durch die nationalen Parlamente dauert noch an, Frankreich, die Niederlande und Irland  hatten sich sogar gegen den Reformvertrag von Lissabon ausgesprochen . (ds/dpa/Reuters)

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