Politik : Bekenntnisse vor der Wahl

Politiker, Prominente, Filmstars und Spitzensportler unterstützen Obama oder McCain

Christoph von Marschall

Colin Powell hatte weder seinen Parteifreund John McCain noch seinen neuen Favoriten Barack Obama vorab informiert. Der frühere Außenminister des republikanischen Präsidenten George W. Bush wusste, wie er seiner Parteinahme für Obama größtmögliche Wirkung verleiht: mit einer überraschenden Parteinahme in der Sendung „Meet the Press“ zwei Wochen vor der Wahl.

„Endorsement“ nennen die Amerikaner die Unterstützungserklärung. Zeitungen ergreifen in diesen Tagen Partei für Obama oder McCain, ebenso Popstars, Wirtschaftsführer, Sporthelden und Filmstars. Manche Parteinahmen haben Wirkung, andere nicht. Es kommt darauf an, wer es tut und wann. Als Obama und Hillary Clinton in den Vorwahlen um die Kandidatur kämpften, war es wichtig, ob ihre ausscheidenden Rivalen sich hinter sie oder ihn stellten. Fast alle entschieden sich früher oder später für Obama. Während des Nominierungsparteitags hörte die Nation genau hin, ob Hillary und Bill Clinton sich ohne Einschränkung für Obama erklärten. Sie lässt bis heute keinen Zweifel an ihrer Loyalität zum Spitzenkandidaten erkennen, Bill dagegen schon. Mitunter lobt er McCain.

Zwei Wochen vor der Wahl hat es wenig Nachrichtenwert, wenn ein Spitzenrepublikaner sich für McCain erklärt oder ein hoher Demokrat für Obama. Das gilt als selbstverständlich. Wenn aber ein Politiker wie Colin Powell sich für den Kandidaten der Gegenseite ausspricht, dann ist das „big news“. Wegen des Überraschungseffekts verbreiten fast alle Medien Powells Lob für Obamas versöhnlichen Politikstil, mit dem er die Nation eine, und für seine ruhige und überlegte Art, auf außenpolitische Krisen zu reagieren. Newt Gingrich, der die Republikaner 1994 zum Erdrutschsieg in der Kongresswahl geführt hatte und mehrere Jahre Parlamentspräsident war, sagt: Powell durchkreuze damit McCains Angriffe, dass Obama keine ausreichende Erfahrung habe, um die USA zu führen. Das Argument verliere an Überzeugungskraft, wenn der ehemalige Generalstabschef und Außenminister Powell dem Kandidaten sein Vertrauen ausspreche.

Ganz überraschend kam die Parteinahme nicht. Wer Powell in den zurückliegenden Monaten reden hörte, der wusste, wie sehr er an Bushs Außenpolitik und an McCains Charakterangriffen auf Obama leidet. Seine Parteinahme zeigt in doppelter Hinsicht Wirkung. Sie nützt Obama, führt aber zugleich zu Spekulationen, ob Powell Ambitionen auf ein Spitzenamt in einer Obama-Regierung hat.

Auch andere republikanische Spitzenpolitiker hören sich bisweilen an, als seien sie heimliche Obama-Fans. Verteidigungsminister Robert Gates vertritt in der Außenpolitik gegenüber Russland oder dem Iran ähnliche Positionen wie der Demokrat. Der Respekt ist gegenseitig. Obama hat Gates gelobt. Manche deuteten das so, als wolle er ihn als Verteidigungsminister behalten. Der republikanische Senator von Nebraska, Chuck Hagel, galt als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat für Obama. Umgekehrt unterstützt der frühere Demokrat und nun parteilose Senator Joe Lieberman McCain. Er wurde als dessen potenzieller Vize genannt.

Die frühe Unterstützung der Kennedys hat Obama geholfen. Caroline, die Tochter des legendären Präsidenten JFK, sagte, Obama sei der John F. Kennedy der Gegenwart. Auch das Bekenntnis von Susan Eisenhower, der Tochter eines republikanischen Präsidenten, für Obama machte Eindruck. John McCain kam zugute, dass sich seine innerparteilichen Rivalen rasch hinter ihn stellten, als er in den Vorwahlen uneinholbar in Führung ging.

Die Unterstützung wichtiger öffentlicher Figuren wird wie ein Leumunds- und Charakterzeugnis genutzt. Barack Obama erwähnt gerne, dass Warren Buffett, der reichste Mann der Welt, ihn unterstütze – und insbesondere seine Wirtschaftspolitik und die angekündigten Steuererhöhungen für Reiche gutheiße.

Die Welt der Kultur und des Sports ist gespalten. Regie- und Filmstars wie Steven Spielberg, George Clooney, Jennifer Aniston, Halle Berry, Tom Hanks stehen hinter Obama, ebenso die Talkshow- Queen Oprah Winfrey. Hollywoods Boxheld „Rocky“ Silvester Stallone und Westernlegende Clint Eastwood haben sich für McCain erklärt. Den Republikaner unterstützen der Nascar-Rennfahrer Richard Petty und Baseball-Star Curt Schilling. Da spielt der Blick auf die mutmaßlichen Sympathien der Fans eine Rolle. Die Trennungslinie in der Musik sind die Stile. Rock- und Popstars wie Bruce Springsteen halten es mit Obama, Countrysänger wie John Rich mit McCain.

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