Politik : Beladung eines undichten Castor-Behälters in Biblis abgebrochen

Es gibt neuen Streit um das Atomendlager Gorleben. Eine von der Atomindustrie eingesetzte Expertengruppe erklärte am Donnerstag, für den von Umweltminister Jürgen Trittin angekündigten Erkundungsstopp in dem Salzstock gebe es keinen erkennbaren Grund. Bisher gebe es auch "keinen Grund für irgendwelche Zweifel" an dem Standort.

Das Umweltministerium hält hingegen an seinen Zweifeln und der Absicht fest, Gorleben vorerst nicht weiter zu erforschen und nach Alternativen zu suchen. Sprecher Martin Waldhausen sagte, die Skepsis gründe sich auf neue Erkenntnisse. So bestünden international erhebliche Bedenken, wie sich die Gasbildung bei der Zersetzung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle auf die Sicherheit auswirke. Auch sei umstritten, ob eine einzige "Barriere" - in diesem Fall das Salz - ausreiche. Ungeklärt sei auch die Frage, ob der Atommüll, wenn nötig, zurückgeholt werden könne. Während eines Erkundungsstopps sollten Alternativen zu Gorleben geprüft werden, sagte Waldhausen.

Die rot-grüne Bundesregierung hatte schon in ihrer Koalitionsvereinbarung grundsätzliche Zweifel am Standort Gorleben geäußert. Im Frühjahr 1999 kündigte Trittin eine Unterbrechung der Erkundungsarbeiten an. Wegen der Atomgespräche läuft die Forschung aber noch. Nach dem Endlagerkonzept der Bundesregierung sollen schwach-, mittel- und hochradioaktive Abfälle an einem einzigen Standort aufbewahrt werden.

Das 1977 ausgewiesene mögliche Endlager Gorleben wird seit 1986 erkundet, die Industrie hat nach eigenen Angaben dafür bisher rund 2,4 Milliarden Mark aufgebracht. Ursprünglich sollte bis 2003 weiter geforscht, bis 2005 ein Resümee gezogen und das Endlager gegebenenfalls bis 2012 in Betrieb genommen werden.

Im hessischen Atomkraftwerk Biblis ist die Beladung eines Castor-Behälters wegen einer undichten Stelle abgebrochen worden. Das teilte der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) am Donnerstag im hessischen Umweltausschuss mit. Sein Büroleiter Michael Rolland sagte, der Behälter habe bei der Helium-Dichtigkeitsprüfung die Kriterien für die Langzeitlagerung "nicht ganz erfüllt".

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