Politik : Belastungsprobe für Schlauch

Andreas Böhme

Allein die Frauenquote ist schuld, wenn Baden-Württemberg im nächsten Bundestag weniger prominent vertreten ist. Dennoch rüttelt niemand an diesem Dogma, eher geht es an die Wurzeln der Bewegung: Heftiger Kritik sah sich noch vor Beginn des Landesparteitags in Baden-Württemberg an diesem Wochenende besonders der Pazifist und Afghanistan-Abweichler Winfried Hermann ausgesetzt.

Gleich fünf prominente Südwest-Grüne rangeln an diesem Samstag um sichere Listenplätze: Parteichef Fritz Kuhn, der zum ersten Mal ein Bundestagsmandat anstrebt, Fraktionschef Rezzo Schlauch, der Haushaltsexperte Oswald Metzger, der Innenpolitiker und "Vorzeige-Türke" Cem Özdemir und der Kriegsgegner Hermann. Dennoch werden nur zwei aus diesem Quintett auf aussichtsreichen Listenplätzen landen. Auf den nach der Parlamentsverkleinerung bestenfalls sieben sicheren Rängen (vorausgesetzt, die Südwest-Grünen wiederholen ihr regionales Wahlergebnis von 1998 mit 9,2 Prozent) finden sich vier Frauen, die außerhalb der Parteigrenzen kaum einer kennt.

Männer werden nur auf gerade Listenplätze nominiert. Daran, so versichert der Landesvorsitzende Andreas Braun, wolle niemand rütteln. Auch wenn die Grünen mit der Kür vor Jahresfrist bei der Landtagswahl mit der Kür eines Spitzenkandidaten von alten Dogmen schon mal abgewichen sind. Der Mann heißt Dieter Salomon, führt die kleine Landtagsfraktion und will gerne Oberbürgermeister in Freiburg werden - beweist aber wenig integrative Kraft. Zum Auftakt des Parteitags in Ehingen rechnete er am Freitag per Interview mit Hermann ab, sprach ihm umweltpolitische Qualitäten ab und stempelte den unbequemen Ex-Landesvorsitzenden zum "Hinterbänkler".

Ob soviel Kälte verfängt, ist nicht sicher, denn nur 80 der 200 Delegierten neigen eindeutig den Realos zu. Unumstritten scheint allein das Spitzenduo: Weder für Uschi Eid, die Staatssekretärin aus dem Entwicklungshilfeministerium, noch für Parteichef Kuhn gibt es Gegenkandidaten. Schon auf Rang drei aber konkurriert eine Ex-Landtagsabgeordnete mit einer Kunsterzieherin, um Rang vier kämpfen Schlauch und Hermann. "Schlauch gewinnt", versichert Kuhn - die beiden Männerfreunde hatten untereinander aushandelt, wer von den beiden nach vorne rückt. Unklar ist, ob die Delegierten solche Kungelei goutieren.

Hermann, der Abgeordnete aus Tübingen, hat schlechtere Karten, denn viele Unterstützer haben nach den umstrittenen Bundeswehreinsätzen trotz Hermanns Bekenntnis zum Pazifismus die Partei verlassen: Zwischen fünf und sieben Prozent ihrer Mitglieder verloren die Südwest-Grünen 2001, zumeist Parteilinke. 15 Jahre hat Hermann grüne Politik im Land vertreten, sich akribisch mit der Belastung durch Handystrahlen und der umstrittenen Untertunnelung des Stuttgarter Hauptbahnhofs beschäftigt. Geräuschlos, so kündigte er an, werde er sich jedenfalls nicht "wegräumen" lassen.

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