Politik : Belfasts Protestanten bereuen nichts

Martin Alioth

Dublin - Der höchste Vertreter des protestantischen Oranier-Ordens für die Region Belfast, Dawson Baillie, hat am Montag jede Verantwortung für die Krawalle während des Wochenendes abgelehnt und stattdessen britische Minister, den Polizeichef und die Paraden-Kommission beschuldigt. Baillie weigerte sich ausdrücklich, die Gewalt zu verurteilen.

Insgesamt 50 Polizeibeamte waren bei den zwei Nächte andauernden Ausschreitungen verletzt worden. Und auch für die Nacht zum Dienstag kündigten die Protestanten militante Proteste an. Brennende Barrikaden und 700 protestantische Extremisten in heftigen Straßenschlachten mit 2000 Polizisten und Soldaten erinnerten an längst vergangene Zeiten. Sowohl protestantische Heckenschützen als auch die Sicherheitskräfte schossen scharf.

Polizeichef Hugh Orde beschuldigte den Oranier-Orden, der seine Anhänger aufgefordert habe, gegen das Verbot einer Parade in einem Katholikenviertel in West-Belfast zu protestieren. Protestantische Politiker suchten am Montag nach Begründungen: Die Protestanten fühlten sich vernachlässigt, alle politischen Zugeständnisse kämen nur der IRA und ihrem politischen Flügel Sinn Fein zugute, hieß es. Die Regulierung provokativer Paraden werde dadurch zur Unterdrückung protestantischer Kultur.

Die IRA hatte Ende Juli das Ende ihres bewaffneten Kampfes verkündet. In wenigen Tagen wird die Bestätigung erwartet, dass ihre Abrüstung vollzogen ist. Damit verliert die protestantische Bevölkerungsmehrheit ihren ärgsten Feind. Mit der IRA rechtfertigten die Protestanten bislang ihre Weigerung, selbst konstruktive Politik zu betreiben.

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