Politik : Belgiens König sucht Ausweg aus Regierungskrise

Brüssel - In Belgien hat sich die innenpolitische Krise drastisch verschärft. Zweieinhalb Monate nach den Parlamentswahlen gab der designierte Premierminister Yves Leterme von den flämischen Christdemokraten seinen Auftrag zur Regierungsbildung zurück. Es sei derzeit unmöglich, ein ehrgeiziges Regierungsprogramm auszuhandeln, sagte Leterme nach einem Treffen mit König Albert II. in Brüssel. Am Freitag war zunächst offen, wem das Staatsoberhaupt die Führung von Koalitionsverhandlungen nun übertragen wird.

Leterme hatte seit Mitte Juli versucht, eine Koalition aus Konservativen und Liberalen zu schmieden. Dies scheiterte an völlig gegensätzlichen Forderungen der beiden größten Sprachgruppen im Land, den niederländischsprachigen Flamen einerseits und den frankofonen Belgiern in Brüssel und der Wallonie andererseits. Die Flamen forderten mehr Rechte für die Regionen. Frankofone Politiker lehnten dies ab. Sie befürchten Nachteile für den wirtschaftlich schwächeren Süden des Landes. Flämische und frankofone Politiker wiesen sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Koalitionsgespräche unter Leitung von Leterme zu. Dessen Partei CDV hält an ihrem Spitzenkandidaten für das Amt des Regierungschefs fest. Flämische Politiker forderten zudem, nun einen frankofonen Politiker mit der Vermittlung zwischen beiden Lagern zu beauftragen. dpa

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