Belgrad : Ausschreitungen nach Karadzic-Festnahme

Die Polizei löst in Belgrad eine Kundgebung von rund 100 Ultranationalisten auf. Die Demonstranten hatten gegen die Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic protestiert - und Steine auf die Polizisten geworfen.

Karadzic
Karadzic-Anhänger lassen ihrer Wut freien Lauf. -Foto: dpa

BelgradDie serbischen Sicherheitsbehörden haben eine Demonstration von etwa 100 Karadzic-Anhängern aufgelöst. Wie Augenzeugen berichteten, schrien die Ultranationalisten im Zentrum der serbischen Hauptstadt "Verrat" sowie die Namen von Karadzic und seinem einstigen Armeeführer Ratko Mladic. Dieser wird noch gesucht. Die meisten Demonstranten waren den Angaben zufolge Mitglieder der rechtsextremen Gruppe "Obras". Sie warfen Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizisten. Laut örtlichen Medienberichten wurde niemand verletzt.

Mehrere dutzend Polizisten bezogen Stellung an den wichtigsten Straßen Belgrads sowie am Platz der Republik, dem größten Platz der Hauptstadt. Eine AFP-Journalistin sah in einer Gruppe von rund 50 Kundgebungsteilnehmern einen der wichtigsten Führer der Ultranationalisten, Aleksandar Vucic, sowie Luka Karadzic, den Bruder des mutmaßlichen Kriegsverbrechers. Sie hatten sich in der Fußgängerzone der Stadt versammelt.

Bereits in der Nacht zu Dienstag hatten sich rund 50 Ultranationalisten vor dem Kriegsverbrechergericht in Belgrad versammelt, als die Nachricht von der Festnahme bekannt geworden war. Sie wurden schnell von Sicherheitskräften auseinandergetrieben.

Bruder fordert Besuchsrecht

Luka Karadzic forderte die Vertreter der internationalen Gemeinschaft in Bosnien auf, der Familie den Besuch seines Bruders noch vor dessen erwarteter Überstellung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu erlauben. Die Behörden hätten den Verwandten am Dienstag bereits zweimal die Ausstellung der notwendigen Dokumente für eine Reise nach Belgrad verweigert, sagte Luka Karadzic der bosnisch-serbischen Nachrichtenagentur SRNA.

Auf Antrag des Vertreters der internationalen Gemeinschaft, Miroslav Lajcak, und des Haager Tribunals waren die Pässe der Familie Karadzic im Januar eingezogen worden. Zudem wurde ihr Vermögen im westlichen Ausland eingefroren, Reisen in die EU und die USA sind den Verwandten verboten. Der Westen verdächtigt sie, eine Rolle im Unterstützernetzwerk des 13 Jahre lang Gesuchten gespielt zu haben. (feh/AFP)

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