Politik : Belgrad gewährt UN-Beobachtern Zugang

NEW YORK/BONN (AFP).Unter dem Druck fortgesetzter Nato-Bombenangriffe und verstärkter diplomatischer Lösungsbemühungen hat die jugoslawische Regierung beschlossen, eine UN-Beobachtermission in das Kosovo einreisen zu lassen.Die UN-Vertreter würden umgehend aufbrechen, um sich über die humanitäre Situation zu informieren, teilte ein UN-Sprecher mit.Nach der Einigung auf eine Friedensstrategie innerhalb der G-8-Gruppe hieß es am Freitag sowohl in Moskau als auch bei der Nato, nun müsse schnell eine Sicherheitsrats-Resolution ausgearbeitet werden.China verlangte eine Zustimmung Belgrads zu allen Elementen.Bei Nato-Angriffen auf die serbische Stadt Nis wurden nach serbischen Angaben mehrere Zivilisten getötet.

UN-Generalsekretär Kofi Annan ernannte am Freitag den Schweden Carl Bildt und den slowakischen Außenminister Eduard Kukan zu Sondergesandten für das Kosovo.Nach UN-Angaben sollen die Mitarbeiter von rund einem dutzend UN-Einrichtungen zehn Tage lang in Jugoslawien bleiben.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) warnte vor zu großem Optimismus.Die Einigung sei zwar ein "entscheidender Schritt", aber die angestrebte Resolution des UN-Sicherheitsrates sei "noch ein gehöriges Stück entfernt".Die Politischen Direktoren der sieben führenden Industriestaaten und Rußlands (G-8) werden sich voraussichtlich nächste Woche treffen, um diese vorzubereiten.Mit großer Mehrheit stimmte der Bundestag der Entsendung weiterer Bundeswehr-Soldaten für einen humanitären Einsatz in Mazedonien und Albanien zu.

Die Nato untersucht jugoslawische Berichte, nach denen bei einem Nato-Angriff auf die südserbische Stadt Nis ein Krankenhaus getroffen worden sein soll.Der militärische Nato-Sprecher, General Walter Jertz, sagte am Freitag vor Journalisten in Brüssel, dem Bündnis lägen derzeit noch keine Erkenntnisse außer Presseberichten vor.

Unter Berufung auf das serbische Staatsfernsehen hatte die Belgrader Nachrichtenagentur Beta berichtet, bei einem solchen Angriff seien zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden.Getroffen worden sei kurz vor Mittag ein Krankenhauskomplex in unmittelbarer Nähe des zentralen Marktes.

Die internationale Gemeinschaft macht sich bereits Gedanken über die Zeit nach dem Kosovo-Krieg.Auf dem Gipfel des "Weimarer Dreiecks", bestehend aus Frankreich, Deutschland und Polen, in Nancy warb Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag für seinen Vorschlag, eine internationale Balkan-Konferenz zu organisieren und dort einen Stabilitätspakt für das Gebiet zu erarbeiten."Die gesamte Region braucht eine europäische Perspektive", sagte er.Der französische Staatspräsident Jacques Chirac unterstützte die Idee.

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