Politik : Belgrad: Milosevic beschimpft Belgrader Regierung als Verräter

Der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist am Samstagabend in Belgrad als Vorsitzender seiner Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) bestätigt worden. Dieses noch inoffizielle Ergebnis meldete der Belgrader Sender B-92. Milosevic soll zwischen 84 und 86 Prozent der Stimmen der etwa 2300 Delegierten des außerordentlichen Wahlparteitages erhalten haben.

Auf dem Parteitag der SPS hatte Milosevic schwere Angriffe gegen den Westen und parteiinterne Kritiker gestartet. Die Zerstörung der SPS sei das "vorrangige Ziel der Feinde unseres Landes", sagte Milosevic nach Angaben der Nachrichtenagentur Tanjug. Der Sender B-92 berichtete, Milosevic habe seine Nachfolger an der Staatsspitze als "Verräter und westliche Spione" bezeichnet. Einen Monat vor den vorgezogenen Parlamentswahlen beklagte er eine internationale Verschwörung. Es seien "riesige Geldsummen verteilt worden". Als Gegenleistung hätte Jugoslawien auf seine Unabhängigkeit verzichtet und die Loslösung Montenegros sowie der serbischen Provinzen Kosovo und Vojvodina akzeptiert. Seine Widersacher, die in den vergangenen Wochen teilweise die SPS verlassen haben, bezeichnete Milosevic als "Feiglinge". An der Wiederwahl von Milosevic bestand kein Zweifel. Er stand als einziger Kandidat auf der Liste.

Milosevic steht seit zehn Jahren an der Spitze der serbischen Sozialisten. Am Montag hatte er sich erstmals nach seinem Sturz wieder im Fernsehen der Öffentlichkeit gezeigt. Seit Milosevics Abtritt von der Macht Anfang Oktober haben ihn zahlreiche SPS-Mitglieder aufgefordert, auch den Parteivorsitz niederzulegen.

Jugoslawien hat am Samstag offiziell den Wunsch nach einem Beitritt zur Europäischen Union (EU) geäußert. Das sagte der jugoslawische Regierungschef Zoran Zizic nach einer Mitteilung seines Büros während des Treffens mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Belgrad. Zizic nannte als Prioritäten seiner Koalitionsregierung die Harmonisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro, die Fortsetzung der Demokratisierung des Landes und die strikte Umsetzung der UN-Resolution 1244 zum Kosovo.

Nach tagelangen gewalttätigen Zusammenstößen haben sich Albaner und Serben im südserbischen Grenzgebiet zum Kosovo auf eine Einstellung der Kämpfe geeinigt. Beide Seiten hätten einen 48-stündigen Waffenstillstand vereinbart, sagte KFOR-Sprecher Mark Whitty am Samstag in Pristina. In der so genannten Sicherheitszone entlang der Grenze sei es am Morgen zu keinen neuen Gefechten gekommen. Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica rief den gemäßigten Albanerführer Ibrahim Rugova dazu auf, "schnellstmöglich" in einen Dialog über den Status des Kososvo einzutreten. In einem von der Nachrichtenagentur Beta zitierten Brief an Rugova sprach sich Kostunica dafür aus, das Kosovo als "multinationale Region" zu erhalten, In Südserbien war es in den vergangenen Tagen zu Kämpfen zwischen serbischer Polizei und albanischen Kämpfern von der "Befreiungsarmee für Presovo, Medvedja, Bujanovac" (UCPMB) gekommen, in deren Folge hunderte Menschen in das Kosovo flohen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben